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Steckrübe

Wissen, wo der Regen fällt 

 

 

Smart Home? Smart Farming! 

Immo Fürch Beregnungsmaschine

 

 

Jeder kennt es: Man schaut in einer App nach dem Wetter und kann mehr oder weniger passende Vorhersagen für die Wahl der Jacke ableiten. Für Landwirtinnen und Landwirte geht es dabei aber schnell mal um das Einkommen eines Jahres. Wenn kein Regen fällt, sichert man die Versorgung der Pflanzen daher mittels Beregnung ab. Das kostet Zeit, Arbeit und Geld. Umso wichtiger, dass man hier genau weiß, was nötig ist.

 

LEADER-PROJEKT 

Vor gut fünf Jahren startete hierzu ein Projekt in Lüchow-Dannenberg – gefördert zu 40 % durch die LEADER-Region Elbtalaue. Zehn Standorte im Landkreis sollten mit Wetterstationen ausgestattet werden, um die Daten gebündelt den Beregnungsverbänden sowie den landwirtschaftlichen Betrieben zur Verfügung zu stellen. Einen weiteren Standort ergänzte man komplett aus eigener Tasche. Die Standorte wurden so ausgewählt, dass sie zum einen gut verteilt liegen und gleichzeitig bezüglich der unterschiedlichen Bodenarten repräsentativ sind. Einer der Standorte ist Metzingen - hinter dem Hof von Landwirt Immo Fürch.

 

DIE WETTERSTATIONEN

Digitale Regenmesser haben mittlerweile einige im Garten. Die hier angeschafften Wetterstationen können aber mehr. Sie werden als Paar aufgebaut. Eine Station steht im Acker und eine auf dem Grünland oder im Randstreifen direkt daneben. Die am Feldrand stehende Wetterstation misst die die Windrichtung und -geschwindigkeit, Sonneneinstrahlung, Luftfeuchte, Temperatur und den Niederschlag. Im Acker misst die Station nicht den Wind. Beide können aber nicht nur über der Erde messen was ankommt, sondern auch, was noch im Boden steckt. In Abständen von 10 cm bis in eine Tiefe von 90 cm, messen Sensoren die Bodentemperatur und -feuchtigkeit. Das ist entscheidend um zu wissen, wann eine Beregnungsgabe nötig wird – und in welcher Menge. Die gemessenen Daten werden gesammelt und sind in einer App auf dem Handy nachvollziehbar. Immo Fürch zeigt uns auf seinem Smartphone live, was im Boden steckt und was vor kurzem an Niederschlag gefallen ist. Dadurch, dass zwei Stationen am jeweiligen Standort gleichzeitig messen, kann man sehen, was im Boden ohne und mit Beregnung ankommt.

 

WERT DER DATEN 

Die Daten, die die Stationen online übermitteln, werden geteilt, so kann man auch außerhalb des eigenen Beregnungsverbandes sehen, wo wie viel Regen gefallen ist. Jedes Mitglied eines Beregnungsverbandes oder des Bauernverbandes Nordostniedersachsen kann die Daten einsehen. „Eine Wetterstation in Lüchow misst eine andere Regenmenge als die regional verteilten Stationen. Man muss sich schon wundern, wie unterschiedlich sich das lokal ergibt. Die zusätzlichen Daten im Boden werten das Ganze auf“, führt Immo Fürch aus. „Weiß man, dass die Pflanzen schon tiefe Wurzeln haben, helfen diese Daten zu entscheiden, wann man losfahren muss. Ich hatte es auch schon erlebt, dass der Mais seine Blätter rollte und ich bereits losfahren wollte, aber die Daten aus der Wetterstation zeigten mir: Das ist alles noch eine normale Reaktion. Solange er nicht in der Blüte ist, kann der Mais eine kurze Trockenphase überstehen.“

ENTWICKLUNG UND INNOVATION

„Wir hatten schon vor diesem Projekt, auch durch die LEADER-Förderung, in die Beregnungsinfrastruktur investiert. So lassen sich die Pumpen des Beregnungsverbands energieeffizient steuern, was bei den großen Höhenunterschieden im Verbandsgebiet eine Menge bringt. Und wir haben Beregnungsmaschinen mit Sensorik ausgestattet, um das ganze System effizienter zu machen“, erklärt Immo Fürch. „Das macht auch etwas mit einem selbst. Diese ganzen Innovationen sorgen für ein noch besseres Bewusstsein und mehr Sicherheit. Ich kann nachts auf meine App schauen und sofort sehen: Es läuft alles. Wenn irgendetwas haken sollte, findet man so auch schneller die Ursache“, ist er sich sicher. 

 

PFLEGE UND WARTUNG Natürlich sei das kein Selbstläufer, stellt der Landwirt klar. Mehr Technik bedeute auch, dass ein System anfälliger werde. Das Mehr an Technik brauche Aufmerksamkeit, Pflege und Wartung, was ein lokales Unternehmen übernimmt. Die Stationen bleiben so lange wie möglich auf dem Acker, um auch im Winter die Regenmengen zu erfassen. Bei seinen Zuckerrüben lässt Immo Fürch sogar um die Station herum roden. Erst zur Bodenbearbeitung zieht er die Station samt Bodensonden heraus. Wieder einsetzen auf dem Acker nach der Bestellung lässt er sie jedoch. Auf einen Tag im Jahr schätzt er seinen Aufwand mit der Station, hin und wieder muss nach dem Regenmesser geschaut werden, dass dieser nicht verstopft

Immo Fürch mit seiner Wetterstation
Bodensensoren

DIE IDEE IST ANSTECKEND 

Es begann mit sechs Standorten. Zwar oftmals noch ohne Bodensensoren, aber mittlerweile haben einige Landwirtinnen und Landwirte mehr eigene Stationen vor Ort. So kann der Niederschlag sehr genau erfasst werden. Nach und nach werden auch einige dieser neuen Station in das gesamte Netz online eingebunden und die Daten fließen zusammen. In naher Zukunft wird der Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände weitere Stationen beschaffen. So wird das Netz dichter und immer repräsentativer. Die Anschubfinanzierung durch LEADER-Mittel hat damit einen guten Grundstein gelegt, dass Wetterdaten genauer und lokaler erfasst werden und die Beregnung effizienter wird. 

 

EIN BAUSTEIN VON VIELEN 

Immo Fürch sieht sich selbst ohnehin als extensiv (weniger Maßnahmen, weniger Dünger usw.) wirtschaftenden Landwirt. Er baut Kartoffeln und Zuckerrüben an, aber auch Mais und Roggen. Die Ansprüche an die Beregnung sind bei diesen Kulturen sehr unterschiedlich. Den Roggen bspw. beregnet er nicht. „Am liebsten ist es mir, wenn ich die Beregnung nicht aufbauen muss. Manchmal erfordert das Wetter das jedoch“, fasst er zusammen. Seine Strategie auf dem eher sandigen Standort ist auch, dass man Wasser dort konzentriert, wo es sich lohnt – in der Kartoffel beispielsweise. Auch werde nicht jede sandige Ecke beregnet. Wo es passt, lasse er auch Ecken brach liegen, wodurch er das Wasser an anderer Stelle zur Verfügung hat. Gleiches gilt für die Agrarumweltmaßnahmen, die er abgeschlossen hat. Da wären Blühstreifen mit Ackerwildkräutern oder Extensivgetreide für den Ortolan. Hier fällt kein Tropfen Wasser aus der Beregnung. Es ist eine Gesamtstrategie, die moderne Technik ist ein wichtiger Baustein zum Wasser- und Geldsparen. Immo Fürch hofft, dass das Mehr an Daten mittelfristig zu klareren Beregnungsempfehlungen aus der App herausführt

 

DER HOF FÜRCH

 

Immo Fürch bewirtschaftet den Familienbetrieb in Metzingen im Landkreis Lüchow-Dannenberg derzeit gemeinsam mit seinen Eltern als GbR. Die vollständige Hofübergabe soll jedoch bald erfolgen. Der Betrieb wirtschaftet eher extensiv und baut neben Zuckerrüben und Kartoffeln auch Roggen und Mais an. Zum Betrieb gehört außerdem ein wenig Grünland für zwei Pferde. Durch die Teilnahme an Agrarumweltmaßnahmen und der Anlange von freiwilliger Brache, ist auf einigen Flächen keine Beregnung erforderlich. Der Boden, auf dem er ackert, ist eher sandig, deshalb kann er weniger Wasser speichern.

 

WAS IST „LEADER“? 

 

In Niedersachsen gibt es 68 LEADER-Regionen. LEADER steht für „Liaison entre actions de développement de l‘économie rurale“ (Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft) und ist ein EU-Förderprogramm. Regionale Entwicklungskonzepte geben den Rahmen der vielfältigen Förderung vor. Durch das Bottom-Up-Prinzip kann so die Region selbst gestalten, was gefördert wird. Bereits 2020 wurde im Beregnungsverband Metzingen das LEADER-geförderte Projekt „Optimierung einer Energie- und Wassereffizienz in der landwirtschaftlichen Bewässerung“ umgesetzt. Ziel war es, die Bewässerung durch moderne Steuerungs- und Sensortechnik effizienter zu gestalten. Weitere Informationen bspw. unter:

https://www.elbtalaue.de/

Beregnungsmaschine Immo Fürch