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Eine Zikade treibt Politik und Landwirtschaft – Netzwerkabend des Bauernverbandes Nordostniedersachsen auf der Grünen Woche

26.​01.​2026

Eine Zikade treibt Politik und Landwirtschaft – Netzwerkabend des Bauernverbandes Nordostniedersachsen auf der Grünen Woche

 

„Ich habe eine Allergie gegen politische Fehlentscheidungen oder politische Entscheidungen, die ich nicht nachvollziehen kann. Das hat mich dazu bewegt, mich ehrenamtlich zu engagieren. Und das Netzwerk Nordostniedersachsen ist meine 'Desensibilisierung'“, sagte Boris Erb zum Auftakt des Empfangs „Netzwerk Nordostniedersachsen“, gestern Abend bei der Grünen Woche in Berlin. Der Lüneburger Landwirt ist seit Mitte letzten Jahres neuer Vorsitzender des BVNON. Zunächst machte er klar: „Wir brauchen die nächste Generation“, und deshalb dürfe man nicht in Resignation verfallen. Anschließend ging er auf verschiedene aktuelle Themen ein, wie Mercosur, Beregnung, die GAP sowie die Düngeverordnung. Bei letzterer forderte er Klarheit von der Politik, was im Frühjahr auf den Feldern stattfinden solle: „Landwirte brauchen für die Düngesaison Klarheit darüber, nach welchen Regeln sie düngen dürfen – was nicht bedeutet, dass wir eine außer Kraft gesetzte Düngeverordnung mit strengen Vorgaben haben.“

 

Grußwort von Ministerin Melanie Walter

Erb konnte zahlreiche hochrangige politische Gäste willkommen heißen, darunter Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte und Frauke Patzke, Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Ein Grußwort an die Teilnehmenden richtete Melanie Walter, die Niedersächsische Ministerin für Europa- und Regionale Landesentwicklung: „Aus dem Nordosten kommen viele Innovationen“, lobte sie zu Beginn die Region. Dann kam sie auf die Themen zu sprechen: „Bürokratieabbau bewegt Sie alle, uns auch. Wir haben dazu gerade ein großes Paket beschlossen“, verwies die Ministerin und hatte darüber hinaus ein Angebot dabei: „Klimaresilienz, Klimaanpassung und Wassermanagement sind wichtige Themen für Nordostniedersachsen, und ich biete an, diese Themen gern auch gemeinsam zu besprechen.“ Dazu bot sich im Verlauf des Abends reichlich Gelegenheit.

 

Wachsende Gefahr für die Landwirtschaft

Eine immer größere Gefahr für den Ackerbau in Nordostniedersachsen stand anschließend im Mittelpunkt: die Schilf-Glasflügelzikade. Dieses Insekt breitet sich zunehmend in nördliche Regionen aus und bedroht nicht nur Kulturen wie Kartoffeln und Zuckerrüben, bei denen es im Süden Deutschlands bereits erhebliche Ertragsschäden verursacht hat, sondern passt sich auch immer stärker neuen Kulturen wie z.B. Möhren, Zwiebeln und weiteren Gemüsesorten an. Daher lud der BVNON einen Experten zu diesem Thema ein, um auf die dringende Notwendigkeit politischer Unterstützung hinzuweisen. Denn es bedarf umfangreicher Maßnahmen zur Bekämpfung des Schädlings, die eher früher als später gefunden oder erforscht werden müssen: „Die Zikade zwingt Politik, Wissenschaft und Praxis dazu, schneller, vernetzter und sowohl kurz- als auch langfristig zugleich zu denken. Das ist neu und entscheidend. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm, und wir stehen erst am Anfang, die komplexe Problematik zu verstehen. Praxistaugliche, nachhaltige Lösungen fehlen bislang, und die Investition in Forschung für die Praxis sowie die Industrie ist von großer Bedeutung für die Sicherung der einzelnen Strukturen“, betonte Dr. Christian Lang, Geschäftsführer des Verbands der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V., in seinem Impulsreferat. Lang warnte: „Die Zikade hat einen voll gedeckten Tisch, solange wir Kartoffeln anbauen. Wir sind existenziell bedroht.“ Das sei negativ für den ländlichen Raum, denn die verlorene Infrastruktur werde nicht wieder aufgebaut. Das sei schlimmer als Mercosur.

 

Kommunale und Landesebene stark vertreten

Mit rund 160 Gästen verzeichnete die Veranstaltung, die bereits zum 15. Mal in der Niedersachsenhalle auf dem Messegelände am Funkturm stattfand, eine Rekordbeteiligung. Zu den Gästen zählten unter anderem Dr. Holger Hennies, Präsident des Niedersächsischen Landvolks, Karin Logemann, Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landentwicklung, Martina Weber, Leiterin der Abteilung für Raumordnung, Landentwicklung und Förderung im Ministerium für Landwirtschaft, sowie Karin Beckmann, Leiterin des Amtes für regionale Landesentwicklung (ArL). Auch der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Henning Otte (CDU), sowie die Landtagsabgeordneten Philipp Meyn (SPD), Jörg Hillmer, Anna Bauseneick und Uwe Dorendorf (alle CDU) nahmen am Austausch teil.

Auf kommunaler Ebene war der Netzwerkabend ebenfalls gut vertreten: Die Landräte Dr. Heiko Blume (Uelzen) und Dagmar Schulz (Lüchow-Dannenberg) nahmen ebenso teil wie Landrat Jens Böther und die Kreisrätin Sigrid Vossers aus dem Landkreis Lüneburg. Neben den Hauptverwaltungsbeamten nutzten zahlreiche Vertreter von Handel, Banken und Genossenschaften die Gelegenheit zum Austausch. Auch die Junglandwirte Niedersachsen, die Landfrauen sowie der Vorstand des BVNON waren zahlreich vertreten.

 

Dank an die Sponsoren

Der Vorsitzende des BVNON richtete seinen besonderen Dank an das Team des Elbe-Wendland-Standes sowie an die Sponsoren des Netzwerkabends. Zu den Unterstützern dieses Forums gehörten regionale und überregionale Unternehmen aus dem vor- und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft: die Energieversorgung Dahlenburg-Bleckede AG, die SVO Vertrieb GmbH Uelzen, Rudolf Peters Landhandel, die Lünekartoffel-Vertrieb GmbH & Co. KG, die Vereinigte Saatzuchten eG (VSE), die Nordzucker AG, die HYBRO Saatzucht GmbH & Co. KG, die AVEBE Kartoffelstärkefabrik Prignitz/Wendland GmbH, die VR Plus Altmark-Wendland eG sowie die Avacon Netz GmbH.

 

Bild zur Meldung: v l_Boris Erb_Frauke Patzke_Carsten Hövermann_Miriam Staudte_Robert Rippke_Anna Surguchova_Martina Weber 4N6A5482 (1)

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