FINKA-Projekt nach fünf Jahren in Hanstedt II verabschiedet
Nach fünf Jahren intensiven Austauschs zwischen konventionellen und ökologischen Landwirten ist das Projekt „FINKA“ (Förderung von Insekten im Ackerbau) nun zu Ende gegangen. Gemeinsam mit dem Arbeitskreis junger Landwirte Uelzen (AkjL) veranstaltete der Bauernverband Nordostniedersachsen e.V. (BVNON) am Montagabend in Hanstedt II eine Abschlussveranstaltung, um die Ergebnisse des Projektes zu präsentieren. Für FINKA hatten sich niedersachsenweit 30 Betriebspaare, bestehend aus jeweils einem konventionell und einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb, zusammengefunden. Die konventionellen Betriebe hatten auf einer Versuchsfläche von ca. fünf ha auf den Einsatz von Herbiziden (gegen Beikräuter) und Insektiziden (gegen tierische Schaderreger) verzichtet. Unterstützt und beraten wurden sie von ihren Öko-Partnern nicht nur mit Rat und Tat, sondern auch mit Technik, z.B. einem Striegel.
AKJL-Vorsitzender Max Alvermann hieß die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Gasthaus Hanstedt zunächst willkommen.
„Es geht darum, klug zu wirtschaften, den Einsatz von Betriebsmitteln zu optimieren, die Bodengesundheit zu erhalten und neue Verfahren zu nutzen, die ökologische und ökonomische Aspekte zusammenbringen“, erklärte anschließend Aaron Jaschok, stellv. Geschäftsführer des BVNON. „Genau hier setzt FINKA an – mit einem offenen Dialog zwischen ökologischer und konventioneller Praxis.“
Ergebnisse und Erkenntnisse aus fünf Jahren FINKA
Im Rahmen der Veranstaltung stellte Landwirt Henning Harms aus Damnatz im Landkreis Lüchow-Dannenberg seine vielfältigen Erfahrungen und Methoden vor. Harms, dessen Projektflächen auf einem besonders herausfordernden Standort in der Dannenberger Elbmarsch liegen, berichtete zunächst von den Bedingungen: „Der Ackerfuchsschwanz ist bei uns ein Dauerthema“. Inzwischen habe er aber mit einer Kombination aus Kleegras, Mähen und Pflanzenschutzmitteln einen Weg gefunden, den Ackerfuchsschwanz in Schach zu halten. Der Klee sei sehr robust. Ein Vorteil sei hier auch das richtige Saatverfahren ein. Das Direktsaatverfahren habe sich sehr gut bewährt, z.B. beim direkten Eindrillen von Wintergetreide. Das Gesamtkonzept habe auch positive Auswirkungen auf den Wasserverbrauch, erklärte Harms. Es reduziere die Beregnungsmenge um 30 Prozent. Eine weitere wichtige Erkenntnis: „Der Wechsel von Blatt- und Halmfrüchten hat einen sehr positiven Effekt auf die Biodiversität“, so der Landwirt. Allerdings müssen die jeweiligen Kulturen auch entsprechend vermarktungsfähig sein.
Leen Vellenga vom Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen GmbH, einem der Projektpartner, ordnete den Versuch in Damnatz ein: „Hennings Betrieb ist der bodenmäßig anspruchsvollste“, so Vellenga.
Er stellte anschließend Ergebnisse der Versuche vor und zog ein Fazit. Besonders wertvoll sei der Wissensaustausch zwischen den Betrieben gewesen. „Den schätzen auch die Öko-Betriebe.“
Die Erträge auf den FINKA-Flächen waren niedersachsenweit z.B. bei Weizen im Durchschnitt 10 Prozent niedriger.
Die Seggeltalflora, wie Unkräuter im Acker wissenschaftlich bezeichnet werden, sei auf den FINKA-Flächen gestiegen. Waren im konventionellen Ackerbau im Mittel sechs verschiedene Beikräuter auf 100 m² im Feldinneren zu finden, so waren auf den herbizidfreien FINKA-Flächen mit acht Arten leicht mehr; im Ökolandbau mit im Durchschnitt elf Arten fast doppelt so viele, berichtete der Projektleiter. Allerdings seien die Arbeitserledigungskosten durch häufigere Überfahrten mit Hacke oder Striegel in allen Kulturen gestiegen. Dies sei besonders bei Kartoffeln der Fall gewesen, da sie zu den arbeits- und pflegeintensivsten Kulturen im Ackerbau gehören. Mit Blick auf die Insekten sei festzuhalten, dass sich die Flächen mit insektizid- und herbizidfreier Behandlung in Bezug auf Biomasse und Artenzahl der Fluginsekten über die Jahre immer mehr der ökologischen Variante annähern, und zwar über alle Kulturen und Standorte hinweg.
Fazit
In der anschließenden Diskussion formulierten die Teilnehmer:innen auch Forderungen an die Politik. So müssten Regelungen im Bereich Förderung, wie z.B. bei Fungizidbehandlungen (mit Mitteln gegen Pilzkrankheiten), flexibilisiert werden und an reale Anforderungen der Praxis angepasst werden, forderte Vellenga. Manche Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität seien zudem nicht „in Lohn“ realisierbar, was die Praktikabilität deutlich einschränke. Dennoch habe das FINKA-Projekt gezeigt, dass eine Integration von biodiversitätsfördernden Maßnahmen im Ackerbau möglich sei. Auch wurde der Austausch zwischen konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betrieben von allen Seiten sehr geschätzt und habe gezeigt, dass es da keine Berührungsängste gebe.
Alle Ergebnisse des Projektes finden sich auf der Webseite des Projektes unter: https://finka-projekt.de/ Die Seite wird weiterhin fortlaufend aktualisiert.
Das Projekt FINKA wurde gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz sowie dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz mit Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. Das Projekt läuft bis Ende 2025. Verbundpartner im Projekt sind die Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen GmbH, das Netzwerk Ackerbau Niedersachsen e.V., das Landvolk Niedersachsen e.V. sowie Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels und die Georg-August-Universität Göttingen.
Bild zur Meldung: Leen Vellenga stellte die Projektergebnisse vor


