„Landwirtschaft bedeutet Verantwortung“ – Hof Steinberg lockt Tausende zum Tag des offenen Hofes

09.​06.​2026

Garze/Bleckede. Wind, Regen und graue Wolken konnten die Besucherinnen und Besucher nicht abschrecken: Insgesamt rund 3.000 Gäste kamen am Sonntag zum „Tag des offenen Hofes“ auf den Hof Steinberg in Garze. Die Gastgeber Karina und Henrik Burmester öffneten ihre Hoftore und gewährten spannende Einblicke in ihren Betrieb, die Direktvermarktung und die vielfältige Arbeit auf ihrem Hof.

Der Familienbetrieb war am Sonntag einer von 47 teilnehmenden Höfen, die niedersachsenweit Besucherinnen und Besucher zu einem Blick hinter die Kulissen der landwirtschaftlichen Erzeugung einluden.

Der Tag begann mit einem Gottesdienst. Pastor Richard Roch würdigte die Arbeit der Landwirte: „Die Landwirtschaft, die unser Gastgeber liebt, [...] der sein Handwerk versteht, der genau weiß, was er tut, muss man schätzen.“ 

 

Henrik und Karina Burmester machten im Rahmen der Eröffnung deutlich, dass sie sich ihrer Rolle vollkommen bewusst sind: „Landwirtschaft bedeutet für uns vor allem Verantwortung“, betonte Karina Burmester. „Verantwortung für unsere Tiere, für unsere Flächen, für hochwertige Lebensmittel und für die Region, in der wir leben.“ Henrik Burmester ergänzte: „Wir wollen zeigen, wie viel Wissen, Organisation und tägliche Arbeit hinter einem scheinbar ganz einfachen Lebensmittel steckt.“ Und weiter: „Vielleicht entstehen im Gespräch neue Perspektiven auf die Landwirtschaft.“

„Den Rahmen für das Wachstum des Korns geben wir vor, dafür braucht es viel Wissen, viel Bildung und Innovation“, sagte auch der Vorsitzende des Bauernverbandes Nordostniedersachsen (BVNON), Boris Erb. Er dankte den Gastgebern für ihre Bereitschaft, den Hof für die Öffentlichkeit zu öffnen. Die Nähe zu den Menschen sei etwas verloren gegangen, deshalb sei es wichtig, die Höfe zu öffnen. Zugleich machte er klar: „Wir haben nichts zu verheimlichen.“

Landrat Jens Böther sagte in seinem Grußwort: „Niedersachsen bleibt trotz des Strukturwandels ein Agrarland.“ Landwirte seien „Allround-Unternehmer im besten Sinne“. Gleichzeitig sei es für viele Betriebe nicht einfach, allein von der Landwirtschaft zu leben.

Lob gab es auch von Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte. In ihrem Grußwort hob sie die Bedeutung der Region für die Landwirtschaft hervor: „Die Region ist ganz vorne dabei.“ Sie lobte die Innovationskraft der Gastgeber: Als einer der ersten Betriebe habe dieser Kurzumtriebsplantagen angebaut – zu einer Zeit, in der man sich fragte: „Was soll das da eigentlich werden?“ Damit trage der Hof zur Energiewende in der Region bei.

 

Henrik und Karina Burmester betreiben auf ihrem Hof neben Ackerbau auch Hühnerhaltung in mobilen Ställen sowie eine Apfelplantage mit zahlreichen Sorten. Diese waren wichtige Stationen eines Hofrundgangs mit Gästen aus Politik und Verwaltung im Anschluss an den Gottesdienst. 

Karina Burmester stellte ihre Arbeit im Bereich der Bauernhofpädagogik vor. Die Mutter einer kleinen Tochter betonte, dass es schwierig sei, die Kosten für ihre landwirtschaftliche Bildungsarbeit zu decken. Eine bessere finanzielle Ausstattung sollte es insbesondere Schulen und Kindergärten ermöglichen, solche Angebote im Bereich der landwirtschaftlichen Bildungsarbeit zu nutzen.

 

Am Stand des Bauernverbandes ging es um das Thema Wasser, das sich am Vormittag in Form von Regen über den Hof ergoss und damit den passenden Rahmen für die Thematik bot. BVNON-Geschäftsführer Johannes Heuer machte die Notwendigkeit der Wasserspeicherung und der Erschließung alternativer Wasserquellen deutlich, um die Möglichkeiten der Feldberegnung für die Zukunft zu sichern. Ein Eigenanteil sei selbstverständlich, aber die Finanzierung solcher Projekte könne die Landwirtschaft nicht allein stemmen. Schließlich handele es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Auch hier betonte Ministerin Staudte: „Die Region ist vorne dabei – bei der Konzeptentwicklung.“ Der beste Speicher sei jedoch der Grundwasserkörper. Sie verwies auf verschiedene Förderprogramme des Landes, unter anderem zur technischen Wassereinsparung. BVNON-Vorsitzender Boris Erb unterstrich, Landwirtschaft sei immer auch ein Kompromiss zwischen Naturschutz und Lebensmittelerzeugung. Doch der wirtschaftliche Aspekt der Landnutzung sei wichtig, schließlich gehe es auch um den Erhalt der Region.

 

Als sich im Laufe des Tages zeitweise die Sonne zeigte, füllte sich das Gelände zusehends. Familien, Kinder und zahlreiche Interessierte nutzten die Gelegenheit. Viele informierten sich über Freilandhaltung und landwirtschaftliche Abläufe.

Fester Anziehungspunkt war der Bauernmarkt mit zahlreichen Ausstellern aus der Region. Hier präsentierten sich landwirtschaftliche Betriebe, Direktvermarkter, Vereine und Organisationen und luden Besucher zum Informieren, Schlemmen, Klönen und Verweilen ein. Von Hähnchenpfanne über Schafskäse, Wein, Kartoffeln, Spargel und Waffeln bis hin zu vielen weiteren Spezialitäten blieb kulinarisch kaum ein Wunsch offen.

Auch im Außengelände konnten sich Besucher unter anderem über Imkerei, Saatgutvermehrung, Landtechnik vom Schlepper bis zum Güllewagen, Hochwasserschutz sowie die Rehkitzrettung mit Drohnen informieren.

 

Das Rahmenprogramm stieß ebenfalls auf große Resonanz. Livemusik von „Soetie“, die Böhmsholzer Jagdhornbläser und der Bleckeder Spielmannszug sorgten für musikalische Unterhaltung. Die Feuerwehr Bleckede stellte ihre Fahrzeuge vor. Für Familien mit kleinen Kindern waren die Strohburg, das Kinderkarussell, das Trettreckerfahren, die Siku-Control-Area und der große Hackschnitzelberg echte Besuchermagnete.

Großen Zuspruch fand zudem der Hofladen, in dem die Familie Burmester ihre Produkte direkt vermarktet. Aufmerksamkeit erhielt auch das innovative Kassensystem mit KI-unterstütztem Weinschrank, der sicherstellt, dass keine alkoholischen Getränke an Jugendliche verkauft werden. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, regionale Spezialitäten kennenzulernen, zu probieren und einzukaufen.

Die Gastgeber zogen am Ende des Tages ein positives Fazit: "Wir freuen uns, dass so viele Menschen zu uns auf den Hof gefunden haben und unsere vorbereiteten Angebote genutzt haben. Wir hatten viele Begegnungen, interessante Gespräche und einen rundum schönen Tag. Besonders gefreut haben wir uns über die vielen strahlenden Kinderaugen.“

 

 

Fotos: BVNON

 

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