Das Ende einer Ära - Langjähriger BVNON-Vorsitzender Thorsten Riggert verabschiedet – Léonard Hyfing neu gewählt

05.​02.​2026


Es war sein Abend. Die Kreisversammlung des BVNON in Uelzen kam mit einer vergleichsweise kurzen Tagesordnung aus, die üblichen Formalien waren auf das Nötigste reduziert. Der Fokus lag ganz klar auf einem Mann: Thorsten Riggert, Landwirt aus Klein Süstedt. Er hat den BVNON in seiner heutigen Form gegründet – und ihn zu dem gemacht, was er ist: ein effizienter und sich positiv entwickelnder Verband, der die Interessen der Landwirtschaft erfolgreich vertritt.

 

Wie hoch Riggerts Ansehen ist, zeigte sich auch an der Reihe seiner Laudatoren. Zahlreiche Weggefährten nutzten die Gelegenheit, ihm persönlich die Hand zu schütteln oder ausführliche Worte des Dankes an ihn zu richten. Allen voran der Präsident des Niedersächsischen Landvolks, Dr. Holger Hennies. Dieser übernahm zunächst den Bericht über die aktuellen agrarpolitischen Themen: Er forderte einmal mehr einen Kurswechsel, hin zu weniger Bürokratie, stattdessen den Rückbau von Regulierung. Viele Betriebe stünden durch niedrige Preise, wachsende Auflagen und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit unter starkem Druck. Kritik äußerte er unter anderem an zusätzlicher Pflanzenschutzdokumentation, dem Thema Rote Gebiete und langen Genehmigungsverfahren, die seien „der Killer“. Beim Thema Wasser warnte Hennies vor übertriebener Dramatik, da Verbrauch und Nachfrage über die Jahre gesunken seien. Optimismus verbreitete er auch: Landwirtschaft werde dringend gebraucht – für Versorgungssicherheit, Wertschöpfung im Bereich erneuerbarer Energien u.v.m. Zudem appellierte er an die Landwirte, aus der Opferrolle herauszutreten, Lösungen anzubieten und mit Fachlichkeit für ihr eigenes Image einzustehen.

 

Anschließend leitete Hennies zum Höhepunkt des Abends mit dem Hinweis über, dass er selbt und Thorsten Riggert fast gleich alt seien – und schlug damit den Bogen zu 17 Jahren erfolgreicher Verbandsarbeit. Nordostniedersachsen sei ein Beispiel dafür, „wo Verbandsarbeit gut funktioniert“, lobte er. Die Arbeit des BVNON sei ein wichtiger Stützpfeiler, auch für die Interessenvertretung auf Landesebene.

 

Hennies blickte auf die wichtigen Errungenschaften des ehemaligen BVNON-Vorsitzenden. Unter anderem bei der Grünen Woche: Der „Netzwerkabend“ des BVNON habe sich dort zu einem beliebten „Insiderabend“ entwickelt. Die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes würdigte Hennies ebenso wie den engen Dialog mit der Kirche. Seit 2008 war Riggert zudem im Landesvorstand aktiv, wo er sehr geschätzt wurde, z. B. in seiner Funktion als Vorsitzender des Ausschusses für Pflanzenbau. Sein Engagement für die Kartoffel lobte der Landvolkpräsident ausdrücklich – unter anderem bei der UNIKA sowie im QS-Fachbeirat Obst, Gemüse, Kartoffel. „Man konnte sich immer auf ihn verlassen“, sagte Hennies. Auch beim Wasserversorgungskonzept habe er sehr gute Wege aufgezeigt.

Riggert habe stets verlässlich, aber auch direkt kommuniziert. Er habe bisweilen markige Worte gefunden: „Er war eine feste Säule der Öffentlichkeitskommunikation“, so der Präsident. „Wenn wir Presse hierhergeschickt haben, bekamen sie auch immer eine ordentliche Ansage. Direkt, markig, klar, ehrlich!“

Als die Bauernproteste drohten, aus dem Ruder zu laufen, sei Riggert „ein wichtiger loyaler Vermittler“ gewesen. Hennies habe diese Eigenschaft auch beim „Niedersächsischen Weg“ geholfen, denn Riggert sei der Erste gewesen, der erkannt habe, dass man das voranbringen müsse. Überhaupt diese Loyalität: „Manchmal vermisse ich das heute“, sagte Hennies. Riggert sei streitbar, aber in Diskussionen immer konstruktiv gewesen und habe Dinge nach vorne gebracht. Die Mischung aus Loyalität, kritischem Einbringen und dem „Zusammenrufen der eigenen Leute“ habe ihn ausgezeichnet, denn „manchmal muss man die eigenen Leute auch fordern“, betonte Hennies und sagte abschließend: „Dafür gehört Dir unendlicher Dank.“

 

Anschließend ergriff sein Nachfolger das Wort. „Eigentlich muss man ein Buch schreiben, um das alles angemessen zusammenzufassen“, sagte Boris Erb. „Nicht vergnügungssteuerpflichtig“ sei das gewesen, was hinter vielen Türen im Laufe der Jahre stattgefunden habe, zitierte Erb seinen Vorgänger, „aber du hast hinter diesen Türen gesessen, und dafür gilt Dir ein ganz besonderer Dank!“ Und: „Du hast Dich für viele Dinge eingesetzt, ohne dass Du einen eigenen Vorteil hattest.“ Riggert sei maßgeblich beteiligt gewesen, dass es überhaupt zur Fusion kam, „das hat uns den Grundstein gelegt, dass wir überhaupt diesen Verband haben.“ Entscheidend sei auch sein Mut gewesen, die Tochtergesellschaften zu gründen. Das habe den BVNON in eine sehr komfortable Situation gebracht. Während viele Verbände über Beitragserhöhungen sprechen müssten, könne der BVNON Projekte anschieben, die sonst so nicht möglich wären, wie zum Beispiel in der Öffentlichkeitsarbeit. Zudem sei der BVNON auch dadurch zu einem wichtigen Arbeitgeber geworden.

 

Landrat Heiko Blume nutzte ein Gleichnis, um klarzumachen, Riggert sei für ihn der Bauernverband gewesen: „Ich kenne nur Dich als Vorsitzenden.“ Blume lobte, dass die Zusammenarbeit mit ihm stets von Vertrauen und Vertraulichkeit geprägt gewesen sei. „Komm wieder auf die Beine und achte auf Dich!“, forderte der Landrat vom scheidenden Vorsitzenden.

 

Wie Verwaltung funktioniert, z. B. beim wichtigen Thema Wasser, warf anschließend Ulrich Ostermann, vormals Geschäftsführer, inzwischen Berater beim Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände Uelzen, auf. Er habe darüber nachgedacht, „was wir die letzten 20 Jahre so gemacht haben“. 2008 habe man gemeinsam ein erstes Konzept nach Hannover getragen: „Thorsten politisch, ich fachlich.“ Man habe unterstrichen, zig Maßnahmen zur Wasserspeicherung und Wasseranreicherung zu brauchen. Und siehe da: Nach ca. 15 Jahren sei mit dem Wasserspeicher Borg eine einzige Maßnahme „nach vielen, vielen Reden mit dem Ministerium“ herausgekommen. Die Ausdauer von Thorsten habe sich ausgezahlt. Ostermann, der seinen beruflichen Weg selbst einst in der Verwaltung angefangen hatte, habe sich später als Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbands massiv auf „wirtschaftliches Arbeiten“ umstellen müssen, witzelte der Redner.

 

Schließlich trat der Geehrte selbst ans Rednerpult und warf, sichtlich bewegt, einen Blick zurück. Thorsten Riggert wandte sich unter anderem an Rainer Fabel und machte deutlich, dass dieser eine treibende Kraft bei der Fusion der ehemaligen drei Kreisverbände gewesen sei. Die Vollfusion dieser drei habe sich im Rückblick als die beste Lösung erwiesen. „Der Anfang war schwierig, aber das Ergebnis ist besser“, versicherte  Riggert. Gleichzeitig machte er keinen Hehl daraus, dass sich die Rahmenbedingungen in all den Jahren verändert hätten: Die Zahl der Betriebe sei gesunken. Deshalb müsse man sich Veränderungen auch nach innen trauen.

Er räumte ein, selbst nicht immer bequem gewesen zu sein. „Ich war auch ein unangenehmer Mitstreiter, vor allem beim Thema Düngung“, betonte er.

Beim Wasserversorgungskonzept 2030 beschrieb Riggert auch die schwierigen Anfänge, wobei eine besondere Hürde gewesen sei, gegenüber den Wasserversorgern einen erheblich höheren Bedarf mit Blick voraus anzumelden. „Die Verwaltung muss ihre Spielräume nutzen“, sagte er, denn die Landwirtschaft brauche das Wasser. Er blickte darüber hinaus zurück auf sein Engagement für das Thema Bildung und Nachwuchs für die Landwirtschaft, aber auch auf seine Arbeit für die Kartoffel. Riggert machte klar, dass diese Themen die Verbandsarbeit weiterhin prägen würden.

Persönliche Worte fand er ebenfalls. Als Arbeitgeber seien so manche Personalentscheidungen schwierig gewesen, das Thema Personal sei ein fortwährendes. Dem ehemaligen BVNON-Geschäftsführer Wolf Winkelmann sprach er seinen ausdrücklichen Dank aus für den Mut und die Idee, „was im Bereich Wind zu machen“.

 

Abschließend räumte Thorsten Riggert ein, er habe für das Ehrenamt beim Bauernverband persönlich einen hohen Preis gezahlt – gesundheitlich wie betrieblich. Das letzte Jahr sei sehr hart gewesen. Dennoch habe er das stets selbstbestimmt und freiwillig getan. Er sei dankbar für die vielen interessanten Projekte und Begegnungen. Zum Abschluss schlug Riggert einen Bogen und schloss mit den Worten von Hermann Hesse: „Jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne.“

 

Als Nachfolger für Riggert wurde Léonard Hyfing aus Vorwerk gewählt. Der 39-jährige Landwirt hielt eine ausführliche Vorstellungsrede, in der er auch die Beweggründe für seine Kandidatur darlegte. Hyfing wurde mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung gewählt.

 

Für Radio ZuSa war Claus Lühr in Uelzen dabei und hat die Versammlung mitgeschnitten.

Gesamtmitschnitt der Jahreshauptversammlung:

www.florian-zusa.de/storage/upload/BVUE030226gesamt.mp3

 

Die Mitschnitte der einzelnen Redner:

BV UE Vorstandsmitglied Henning Schulz:

Begrüßung: www.florian-zusa.de/storage/upload/HenningSchulzBegr.mp3

Weitere kurze Rede: www.florian-zusa.de/storage/upload/HenningSchulz2.mp3

 

Landrat Dr.Blume:

Rede: www.florian-zusa.de/storage/upload/DrBlumeRede.mp3

Ehrung Thorsten Riggert: http://www.florian-zusa.de/.../DrBlumeEhrungRiggert.mp3

 

Landvolkpräsident Holger Hennies: www.florian-zusa.de/storage/upload/Hennies.mp3

 

BVNON-Vorsitzender Boris Erb: www.florian-zusa.de/storage/upload/BorisErb.mp3

 

Thorsten Riggert: www.florian-zusa.de/storage/upload/RiggertRede.mp3

 

Neuer Vorsitzender BV Uelzen Leonard Hyfing: www.florian-zusa.de/storage/upload/HyfingRede.mp3

 

ehem. Vorsitzender Wasser/Bodenverband Ulrich Ostermann: www.florian-zusa.de/storage/upload/UlrichOstermann.mp3

 

stell. Bürgermeisterin Uelzen Kristina Nenke: www.florian-zusa.de/storage/upload/Nenke.mp3

 

BV Uelzen Vorstandsmitglied Jan-Niklas Wenhold: www.florian-zusa.de/storage/upload/WenholdSchlusswort.mp3

 

 

Bild zur Meldung: Thorsten Riggert und Nachfolger Léonard Hyfing

Fotoserien


Kreisversammlung Uelzen 03.02.2025 (04.​02.​2026)