Was bringen Agrar-Umweltmaßnahmen auf Ackerflächen für die Vogel-, Insekten- und Pflanzenwelt? Runder Tisch im Rahmen der NATURA 2000-Gebietsbetreuung zu Agrar-Umweltmaßnahmen auf Acker tagte am 3.12.

Wie entwickeln sich Ackerflächen, die nach speziellen Auflagen der Agrarumweltmaßnahmen für den Ortolan bewirtschaftet werden? Wie lässt sich auf Blühflächen mehr Biodiversität erreichen und wie geht es in der nächsten Förderperiode 2021-2027 mit den Agrar-Umweltmaßnahmen weiter? Diese und mehr Fragen wurden im Rahmen der Gebietsbetreuung des Landkreises für die Schutzgebiete Drawehn, Lucie und Nemitzer Heide mit Vertretern aus Landwirtschaft und Naturschutz bei einer Video-Veranstaltung am 3.12.2020 vorgestellt und diskutiert.
Petra Bernardy, zuständige Gebietsbetreuerin für die EU-Vogelschutzgebiete "Drawehn" und "Lucie" sowie für die "Ortolan-Fördermaßnahmenkulisse", stellte ihre Ergebnisse zur Entwicklung der Ackerflächen vor, die nach den speziell auf den Ortolan ausgerichteten Auflagen bewirtschaftet werden. Mit über 1.600 Brutpaaren des Ortolans, einer seltenen, auf sandige Ackerflächen angewiesenen Singvogelart, brüten etwa 75% des niedersachsenweiten Bestandes in Lüchow-Dannenberg. Der Landkreis hat damit eine sehr hohe Verantwortung für den Erhalt dieser gefährdeten Vogelart. Daher haben auch mehr als 100 Landwirtschaftsbetriebe im Landkreis auf einer Ackerfläche von 1.341 ha Fördermaßnahmen abgeschlossen, die der Art zu Gute kommen sollen. Die dargestellten Untersuchungsergebnisse zeigen, dass der Anteil erfolgreicher Bruten auf Ackerflächen, die an der Fördermaßnahme teilnehmen, deutlich höher ist als auf Ackerflächen ohne entsprechende Auflagen. Deutlich wurde auch, dass der Anteil erfolgreicher Bruten steigt, je länger die Ackerflächen schon an der Maßnahme teilnehmen.
Heinke Kelm vom Landschaftspflegeverband Wendland-Elbetal e.V. brachte Beispiele dafür, wie sich die Pflanzenwelt auf diesen Ackerflächen entwickelt hat. Bei ihren Untersuchungen konnte sie im Sommer 2020 insgesamt 144 Wildpflanzenarten auf den sogenannten Ortolanflächen nachweisen, darunter neun teilweise stark bedrohte Pflanzenarten wie z.B. das Kahle Ferkelkraut. "Je länger die Ackerflächen unter Vertrag stehen, desto höher ist die Anzahl der Wildkräuter, insbesondere auch der seltenen Arten" so Kelm. Dies sind Fakten, die dafür sprechen, die Fördermaßnahme durchgängig anzubieten. Umso bedauerlicher auch für die Planungssicherheit der Landwirte ist es, dass diese und weitere Agrarumweltmaßnahmen im Jahr 2020 nicht abgeschlossen werden konnten und auch voraussichtlich im Jahr 2021 nicht wieder abgeschlossen werden können.
2022 sollen dann voraussichtlich alle altbewährten Agrarumweltmaßnahmen wieder angeboten werden können.
Wie sich mit Blühmischungen mehr für die Biodiversität, insbesondere für Wildbienen und Hummeln tun lässt, zeigte Jann Wübbenhorst von der Biosphärenreservatsverwaltung Niedersächsische Elbtalaue. Anders als herkömmliche Ansaatmischungen, die oft nur kurze Blühzeiten haben und von Wildbienen kaum genutzt werden können, bietet eine für das Biosphärenreservat entwickelte hummelfreundliche Mischung, mit hohen Anteilen an Leguminosen, über einen Großeil der Saison Blütenreichtum. Der lange Zeitraum mit Nektar- und Pollenangebot ist überlebenswichtig für Hummeln und viele weitere Insekten. Auf Flächen, die 2020 mit dieser bei der VR PLUS Altmark-Wendland eG in Dannenberg erhältlichen Mischung bestellt wurden, konnten bereits viele Wildbienenarten und Hummeln, darunter auch hoch spezialisierte, seltene Arten im Biosphärenreservat festgestellt werden. Laut Wübbenhorst seien strukturreiche Blühstreifen, bei denen ein Teil der Fläche nicht jedes Jahr neu angesät wird, sowie mehrjährige Blühstreifen insgesamt artenreicher und naturschutzfachlich sinnvoller als die weit verbreiteten einjährigen Ansaaten. Auch wenn nicht jede Blühmischung allen Interessenslagen und Ansprüchen gerecht wird, so lässt sich über eine Beratung viel für die Artenvielfalt erreichen.
Für die Landwirtschaft ist die kooperative Zusammenarbeit und deren Förderung wichtig, betont auch Johannes Heuer, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordostniedersachsen e.V. Die Akzeptanz für Agrar-Umweltmaßnahmen in der Region ist hoch. Man wünsche sich außerdem mehr produktionsintegrierte Umwelt-Maßnahmen, stimmt ihm auch Robert Rippke, Landwirt und Vorsitzender des Landschaftspflegevereins Wendland-Elbetal e.V. zu.
Am Ende sind alle Teilnehmer übereingekommen, dass die naturschutzfachliche Beratung der Landwirte das A und O ist für den Abschluss von Agrarumweltmaßnahmen oder die Umsetzung von biodiversitätsfördernden Maßnahmen. Die Ausgestaltung des kürzlich beschlossenen "Niedersächsischen Wegs" bietet laut Heuer für die Region eine "Riesen-Chance".
 

Fotos:
- "Mit der richtigen Blühmischung wie hier der Hummelmischung im Biosphärenreservat lassen sich viele seltene Wildbienen- und Hummelarten fördern"
- Ackerhummel an Borretsch auf Blühfläche
Fotos von Jann Wübbenhorst

"Der Ortolan kommt fast ausschließlich in Niedersachsen in Lüchow-Dannenberg vor". Mehr als 100 Betriebe haben Maßnahmen abgeschlossen, die der Art zu Gute kommen sollen"
Foto von Hans-Jürgen Kelm

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