Barbara Otte-Kinast bildet Auftakt bei Junglandwirten, blickt auf ihr erstes Amtsjahr als niedersächsische Landwirtschaftsministerin zurück und stellt sich den Anliegen der Landwirte.

„Mein Haus hat mir zwar eine sehr gute Rede geschrieben, aber die lasse ich jetzt mal in der Tasche“, rief Barbara Otte-Kinast ihrer erwartungsvollen Zuhörerschaft am vergangen Dienstag beschwingt zu. Dass sie diese tatsächlich nicht brauchte, wurde im Verlauf des Abends mehr als deutlich.

Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin war die Hauptrednerin an dem Abend in Zernien im Landkreis Lüchow-Dannenberg, bei dem das diesjährige Winterprogramm der drei Arbeitskreise Junger Landwirte aus Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg seinen gebührenden Auftakt fand. Das Gasthaus „Zur Deutschen Eiche“ platzte aus allen Nähten. Bis in den Gang hinein standen Landwirte jüngeren und älteren Jahrgangs – alle wollten die Ministerin sehen - und hören was sie zu sagen hatte, zu dem Thema: „Extreme Jahre – wie die Landwirtschaft mit Klima, Politik und Gesellschaft um ihre Zukunft ringt.“

Mit ernstem, aber zugewandten Gesichtsausdruck, stand die Ministerin am Rednerpult und hörte nicht nur zu, sondern schrieb fleißig mit. „Ich bin heute Abend hier um zu hören, was Sie zu sagen haben und auch, damit Sie einfach mal ihren Frust loswerden können.“ Und diese Chance nutzten viele nach diesem besonderen Jahr aus landwirtschaftlicher Sicht. Es gibt kaum ein Thema das die Landwirte im Moment umtreibt, das nicht zur Sprache kam. Von den Folgen der Dürre über Beregnung, den Wolf, die Pachtpreise für Ackerland, den Tierschutz oder die Milchpreise. Die Wunschliste der Bauern an die Ministerin war lang. Auch der Druck unter dem viele Landwirte in diesen Tagen besonders stehen, war spürbar. Otte-Kinast hörte alles an und notierte. Auf vieles konnte sie direkt antworten, widersprechen, oder klar Grenzen aufzeigen. Manches müsse sie erst in ihrem Haus hinterfragen. Aber immer versprach sie glaubwürdig sich der Sache anzunehmen und sich darum zu kümmern. Es war kaum alles schaffbar in den paar Stunden. Deshalb bot sie mehrfach an, die Gespräche später fortzusetzen und lud zudem die Anwesenden ein, sich direkt an ihr Haus zu wenden. Man hatte das Gefühl umsorgt zu werden.

Dass sie eine Ministerin ist, die weiß wovon sie spricht und konkret handlungsfähig ist, stellte sie immer wieder deutlich heraus. Otte-Kinast berichtete im ersten Teil des Abends ausführlich von ihrem ersten Jahr als Ministerin. Über die schwierige Entscheidung gemeinsam mit der Familie, dieses Amt anzunehmen, über die Verantwortung für buchstäblich alle Menschen in Niedersachsen die damit einhergeht, und über die Vielzahl der Themen, die unmittelbar auf der Tagesordnung standen. Dessen Aufzählung glich einem Ritt durch das komplette Spektrum von Landwirtschaft und Naturschutz: Harvarieerlass, Glyphosatdebatte, Natura 2000, Afrikanische Schweinepest, der Umgang mit dem Wolf, der Nährstoffbericht, niedersächsischer Tierschutzplan. Dies waren nur einige der Schlagworte die sie aufführte. Zu manchen fand sie besonders deutlich Worte. Bilder von Verstößen gegen den Tierschutz wolle sie nicht sehen. Es gebe leider schwarze Schafe, die die große Mehrheit der gut wirtschaften Betriebe in Mitleidenschaft zöge. Mit Blick auf die Verstöße auf Rinderschlachthöfen kündigte sie an, dass ihr Haus derzeit prüfe, inwieweit eine Kameraüberwachung machbar sei. „Es ist anscheinend nicht anders möglich“, sagte die Ministerin, die selbst zu Hause einen Milchviehbetrieb hat, etwas zerknirscht.

„Es war ein Ausnahmejahr“, das galt auch für die Ministerin selbst. Wie sie das alles schafft? „Ich habe sehr gute Fachleute in meinem Ministerium“ verriet sie. Die richtige Mentalität für alle Aufgaben bringt sie als Landwirtin mit - Verantwortung übernehmen und handeln.
Ab Montag dem 12.11.2018 starten die regelmäßigen Winterseminare der Arbeitskreise Junger Landwirte. Das vollständige Programm dazu finden Sie unter http://www.bvnon.de/junglandwirte.html.
 

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