Machen Sie mit: Holzkreuze gegen das Höfesterben!

Liebe Mitglieder,
 
vor einigen Tagen haben bundesweit Landwirte unter Federführung von Bauer Willi mit einem stillen, aber deutlich sichtbaren Protest begonnen: Sie stellen grüne Holzkreuze (X) auf ihre landwirtschaftlichen Flächen.
Diese Kreuze sollen die Bevölkerung darauf aufmerksam machen, dass die „derzeitige“ Situation für viele landwirtschaftliche Betriebe nicht mehr tragbar ist und das ultimative, endgültige Aus bedeuten kann. Für die „derzeitige“ Situation, der grundsätzlich eine lange Geschichte von gesellschaftlichen Ansprüchen und politischen Entscheidungen vorausgeht, ist der Faktor der das Fass zum Überlaufen bringt, das Agrarpaket, das jüngst von den Bundesministerinnen Klöckner, Schulze und Karliczek vorgestellt wurde.
 
Das Agrarpaket beinhaltet z.B., dass keine Pflanzenschutzmittel in Schutzgebieten ausgebracht werden dürfen, dazu zählen nicht nur Naturschutzgebiete, sondern auch FFH-, Vogelschutzgebiete usw. Dass Pflanzenschutzmittel zum Schutz unser aller Nutzpflanzen eingesetzt werden und kein Bauer dies leichtfertig tut, wird völlig ausgeblendet. Was geschieht, wenn man keine Mittel mehr zur Verfügung hat, sieht man derzeit am Beispiel des Borkenkäfers in unseren Wäldern nur zu deutlich!

Hinzu kommt die neue Düngeverordnung. 39% der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Niedersachen zählt zu den „roten Gebieten“, in denen 20% unter Bedarf gedüngt werden muss. Das betrifft über 1.000 Familienbetriebe in unserem Verbandsgebiet! Darüber hinaus soll es ein N-Düngeverbot im Sommer zu allen Kulturen geben, selbst zu Zwischenfrüchten. Diese neuen Bestimmungen werden vielen Betrieben auf kurz oder lang das Genick brechen.
Über allem schwebt zudem das Damoklesschwert der Enteignung. Über Generationen wurden Grünlandwiesen bewirtschaftet, die nur aufgrund der Bewirtschaftung artenreich sind. Jetzt sollen sie genau aufgrund dieses Artenreichtums aus der Bewirtschaftung genommen werden - ohne eine Entschädigung für die landwirtschaftlichen Betriebe!
 
Die gewollte Umgestaltung der Tierhaltung geht völlig an der Praxis vorbei und hat nur noch das Ziel den politischen Mainstream zu bedienen, aber nicht das Ziel etwas für das Tierwohl zu tun oder die bäuerlichen Strukturen in der Tierhaltung beim Umbau zu unterstützen. Das Kastrationsverbot ohne einen rechtssicheren, umsetzbaren Weg aufzuzeigen ist ein weiteres Beispiel.
 
Diese Aufzählung ließe sich endlos weiterführen. Auch der BVNON führt mit seinen ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern seit Jahren unzählige Gespräche auf allen Ebenen. In Niedersachsen mit dem Umwelt- und dem Landwirtschaftsministerium und auch auf Bundesebene sind wir als Kreisverband überaus aktiv! Immer und immer wieder tragen wir Zahlen, Daten, Fakten vor, erklären mögliche negative Konsequenzen. Aber in einer Zeit, in der Fakten nichts mehr zählen und jeder der Meinung ist, seine ganz persönliche Wahrheit sei die einzig Richtige, kommen wir mit den besten wissenschaftlichen Fakten nicht mehr weiter! Sie haben keinen Wert mehr!
Die Landwirtschaft eignet sich anscheinend so wunderbar als Schuldiger für alles Mögliche - als einzig Schuldiger für die Nitratbelastung des Grundwassers, als einziger Verursacher für das Insektensterben oder auch als Hauptverantwortlicher für die Klimaerwärmung. Egal worum es geht, die Bauern sind immer schuldig!
Aber, was Menschen die nicht aus der Landwirtschaft kommen nicht erkennen ist, dass Landwirte nicht im fünf oder zehn Jahresrhythmus denken, sie denken in Generationen. Man möchte den Familienbetrieb für die nächste Generation erhalten.
 
Die Gesellschaft wünscht sich kleine Betriebe, den Landwirt von nebenan. Aber zerstört wird die Grundlage genau dieser kleinen Betriebe mit immer mehr Auflagen für Umwelt- und Tierschutz, die freiheitliches, unternehmerisches Handeln fast nicht mehr möglich machen. Wir sind seitens der Politik der Planwirtschaft nicht mehr fern! Dem gegenüber steht sehr wohl freiheitliches Kaufverhalten: billig – billig – billig! Hinter jedem Landwirt steht ein Betrieb, der wirtschaftlich produzieren muss und das bedeutet, es wird produziert, was der Markt verlangt. Seit 1990 haben 57% der landwirtschaftlichen Betriebe aufgegeben und jetzt steht mehr denn je die Befürchtung im Raum, dass es zu einem massiven Höfesterben, genauer dieser gesellschaftlich gewollten Betriebe kommt.
 
Wir sehen nur noch zwei Möglichkeiten: Aufgeben oder Kämpfen – mit der Unterstützung der Aktion grüne Kreuze haben wir uns für den Kampf für unsere Bauernfamilien entschieden. Darum bitten wir Sie, helfen Sie mit, ein Zeichen zu setzen. Lassen Sie uns Politik und Gesellschaft klar aufzeigen, dass wir unsere Höfe nicht kampflos aufgeben! Die schon gefassten und geplanten Beschlüsse rauben uns jegliche Möglichkeit unsere Betriebe zu führen. Wenn es in Deutschland weiterhin Landwirte geben soll, müssen Politik und Gesellschaft aufhören gegen uns zu arbeiten!
Machen Sie mit, stellen Sie ein grünes Holzkreuz auf Ihre Felder, vor Ihre Höfe, überall da, wo es gesehen und wahrgenommen wird! Es geht um ein deutliches Signal, „WIR KÖNNEN NICHT MEHR!“

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