Lüneburger Vorstand des BVNON wieder vollständig

Der Saal im Restaurant Lim`s in Erbstorf drohte aus allen Nähten zu platzen. Nachdem bereits alle vorhandenen Stühle zusätzlich herangeschafft worden waren, blieben für die letzten Mitglieder und Gäste der Lüneburger Kreisversammlung vom Bauernverband Nordostniedersachsen trotzdem nur Stehplätze übrig. Selten waren so viele Interessierte gekommen, was zeigte: Da ist was los im Bereich Landwirtschaft, das alle umtreibt!
 
Neben vielen Landwirten waren auch Mitglieder des Deutschen Bundestages, des niedersächsischen Landtages und Kreistages sowie viele Vertreter befreundeter Institutionen und Verbände, insgesamt rund 160 Personen, zur Kreisversammlung gekommen.

„Das war ja jetzt sehr undramatisch." Mit dieser Bemerkung sorgte Hubertus Meyer aus Barskamp für einen Lacher am Ende der Wahlen zum Vorstand des Bauernverbandes Nordostniedersachsen. Er spielte damit auf den Rückzug des langjährigen Kreisvorsitzenden Jens Wischmann an, der seine Wahl im letzten Jahr nicht angenommen hatte. Damit hatten im vergangenen Jahr Carsten Hövermann und Hubertus Meyer im Vorstand eine Lücke zu füllen, die nun gleich doppelt wiederbesetzt wurde. Neu in den Vorstand gewählt wurden Johanna Nunnemann und Boris Erb.
Johanna Nunnemann ist 38 Jahre alt und betreibt mit ihrer Familie in Neu Wendischthun einen Milchviehbetrieb mit 70 Milchkühen. Der 36-jährige Boris Erb aus Rullstorf ist in einer Schäferei in Bleckede aufgewachsen und mittlerweile Geschäftsführer eines landwirtschaftlichen Betriebes in Echem. Boris Erb hatte sich in jüngster Zeit intensiv engagiert und als einer von drei Landwirten die Demonstrationen im Landkreis Lüneburg für „Land schafft Verbindung“ organisiert. Erb nahm bei seiner Vorstellung die Gelegenheit wahr, gleich die Richtung für seine Amtszeit vorzugeben. „Es hat für mich etwas mit Verantwortung zu tun“, sagte der Vater zweier Kinder. Auch er habe sich in der Vergangenheit manchmal gefragt, was der Verband da eigentlich mache, aber da laufe viel im Hintergrund und nachhaltige Arbeit kann nur vom Hauptamt des Bauernverbandes geleistet werden und das Ehrenamt müsse das unterstützen, denn, „das ist unser Verband und jeder ist gefragt sich einzubringen“, rief Erb den Landwirten zu.
Erb und Nunnemann folgen auf Jens Wischmann und Werner Oldenburg. Letzterer entschied nach vielen Jahren Vorstandsarbeit nicht erneut zu kandidieren. BVNON-Vorsitzender Riggert dankte beiden ehemaligen Vorstandsmitgliedern für ihr langjähriges Engagement im Dienste der Landwirtschaft und verlieh ihnen die silberne Ehrennadel des BVNON und überreichte jeweils einen Gutschein. An beide gerichtet sagte er, „Es braucht Menschen wie Jens und Werner, die Erklärungen liefern, aber auch Lösungen anbieten. Das haben beide getan.“ Auch Werner Oldenburg bedankte sich für die Zeit im Vorstand und bat die anwesenden Landwirte um Engagement. Öffentlichkeitsarbeit sei von großer Wichtigkeit, mahnte der Tierhalter und forderte deshalb: “Machen Sie mit beim Tag des offenen Hofes oder auch bei der Tour de Flur des BVNON.“ Jens Wischmann, der weiterhin die Funktion des Kreislandwirtes für Lüneburg innehat, lenkte den Blick auf das Hauptamt des BVNON und dankte den Mitarbeitern in den Geschäftsstellen für die stets gute und angenehme Zusammenarbeit. Hubertus Meyer wies zum Abschluss der Ehrungen auf die ungelöste Frage des Vorsitzes hin. Dieses klassische Modell werde es zukünftig nicht mehr geben, sagte er und kündigte eine Team-Lösung an: "Wir werden uns die Themen aufteilen."
 
Zuvor hatte bereits Johannes Heuer in seinem Bericht der Geschäftsführung neben vielen weiteren Themen, insbesondere das Thema Feldberegnung aufgegriffen. Er wies darauf hin, dass sich der BVNON in dieser Hinsicht mit einem Gutachten, das zusammen mit dem Dachverband Feldberegnung Lüneburg (DFL) erstellt werde, gut auf künftige Anforderungen vorbereite, um Antworten geben zu können. Er lud alle Anwesenden ein, am 17. März zur Zusammenkunft des DFL zu kommen, um dort auch zu erfahren, wie es künftig grundsätzlich mit den Genehmigungen weitergehe. Zudem forderte er an die niedersächsische Landwirtschaftsministerin gerichtet, erneut die Erarbeitung einer Förderrichtlinie im Rahmen. Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK), um intelligente Bewässerungstechnik gefördert zu bekommen.
 
Vorstandsmitglied Carsten Hövermann aus Kirchgellersen hatte in seinem Bericht des Vorsitzenden einen Rundumschlag durch alle Themen vorgenommen. Er dankte eingangs Boris Erb, Phillip Rund, Christoph Cohrs und Christoph Burmester für ihr Engagement im Rahmen von „Land schafft Verbindung“ und für die Vorbereitung und Durchführung der Demonstrationen. Wertschätzung war auch weiterhin ein wichtiger Punkt seiner Ausführungen. Hövermann griff das Thema Lebensmittelpreise auf: "Gerade einmal 14% unseres Einkommens geben wir für Lebensmittel aus". Textilien würden schon zum großen Teil im Ausland produziert, weil es dort günstiger sei, so Hövermann, und warnte: “Was nicht ist, kann ja noch werden." Wenn immer höhere Anforderungen an die landwirtschaftlichen Produkte aus Deutschland gestellt werden, so müsse dieser Maßstab auch für die Importe aus dem Ausland gelten. Die Landwirte können nicht mit immer höheren Herstellungskosten wirtschaften, aber gleichzeitig weiterhin mit den Weltmarktpreisen konkurrieren. Anschließend ging er auf die Novelle der Düngeverordnung ein, zu der er mit Zahlen belegte, dass die gerade erst vorausgegangene Novelle wirke und die Nährstoffüberschüsse abgebaut werden. Leider warte man diese Tendenz seitens der Politik jedoch nicht ab. Als BVNON habe man sehr viel Arbeit in die DVO investiert, die letzte umfassende Stellungnahme sei jedoch bis heute von der Politik unbeantwortet geblieben. Hövermann verdeutlichte aber auch wofür der BVNON stehe: "Der BVNON steht für das Verursacherprinzip!"
 
In seinem Grußwort betonte der neue Landrat Jens Böther, dass er seit jeher einen guten Draht zum Bauernverband habe und zudem eine gewisse Vorstellung davon, was Landwirtschaft bedeute. Er lobte die Anwesenheit der vielen Bürgermeister aus dem Landkreis, unter ihnen Steffen Gärtner (Samtgemeinde Gellersen), Thomas Maack (Gemeinde Adendorf), Andreas Gehrke (Gemeinde Amt Neuhaus) und Laars Gerstenkorn (Samtgemeinde Scharnebeck). Das sei ein Zeichen für den hohen Stellenwert der Landwirtschaft in den Gemeinden. Die Landwirtschaft stehe vor großen Herausforderungen, so Böther. Die Preise seien zu niedrig für das, was Landwirte an Qualität lieferten. Vor diesem Grund sei er sicher, dass durch die Demos schon eine gewisse Sensibilisierung für die Anliegen der Landwirte in der Bevölkerung erreicht worden sei. Auch Böther richtete seinen Blick auf das Thema Feldberegnung: “Wir müssen unser Grundwasser schützen. Der Schutz der Ressource Wasser hat oberste Priorität. Wenn die Beregnung zukunftsfähig sein soll, muss der Grundwasserhaushalt stabil gehalten werden.“ In diesem Zusammenhang sieht er in der GAK-Richtlinie einen wichtigen Pfeiler, um neue Lösungsansätze zu erarbeiten: "Wir müssen da etwas hinbekommen, damit die Fördermittel auch akquiriert werden können", hob der Landrat hervor.
 
Um die Ressourcen und die Natur ging es auch im Gastvortrag der Kreisversammlung: Dr. Claas Teichmann vom Helmholtz Climate Research Center in Geestacht, sprach über die Auswirkungen des Klimawandels. Eingangs definierte er zunächst die Begriffe Wetter und Klima und verdeutlichte, dass Klima statistisch basiert sei und die Veränderungen über einen längeren Zeitraum präsentiere. Wetter könne man ziemlich sicher für die nächsten Tage vorhersagen, danach werde es jedoch schon schwierig. "Wenn wir über Prognosen zum Klima sprechen, bedeutet dies üblicher Weise die Prognose für die nächsten 30 Jahre. Er präsentierte verschiedene Modelle, mit denen verschiedene Parameter des Klimas gemessen werden könnten. „Temperatur sei gut vorhersagbar, die Modelle passen“, so Teichmann. So zeigte er, dass im Raum Lüneburg die Temperaturen gestiegen seien, während sich die Vegetationsperiode verlängert habe, es weniger Frosttage gegeben hätte und die Niederschläge im Winter zunehmen. Im Sommer seien sie in etwa im Durchschnitt. Grundsätzlich hatte Teichmann eine ermutigende Botschaft für die Anwesenden im Saal. „Eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad ist möglich, wenn wir uns anstrengen.“

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