Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast besucht Region

Viel Zeit zum Sehen, Zuhören und Anfassen nahm sich die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast bei ihrem Besuch in Dannenberg am Montag.
 
Auf Einladung der Grüne-Woche-Standgemeinschaft „Elbe-Wendland“, bestehend aus Akteuren der LEADER-Region Elbtalaue sowie Achtern-Elbe-Diek und koordiniert durch den Bauernverband Nordostniedersachsen (BVNON), war die Ministerin gekommen um sich über viele Themen rund um die Ideen zu einer „Modellregion Nachhaltige Regionalentwicklung“ zu informieren.

Die erste Station ihres mehrstündigen Besuches war die Samtgemeinde Elbtalaue. An der Zusammenkunft mit der Ministerin nahmen Samtgemeindebürgermeister Jürgen Meyer, sein Vertreter Bernhard Beitz, der Landrat des Landkreises Lüchow-Dannenberg, Jürgen Schulz, Regionalmanagerin Uta Sander, Annika Wangerin, Dezernatsleiterin vom Amt für regionale Landesentwicklung sowie Professor Johannes Prüter, Leiter des Biosphärenreservates Niedersächsische Elbtalaue und Johannes Heuer, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordostniedersachsen teil.
In dem Gespräch wurden der Ministerin die zahlreichen Bemühungen und vielen Möglichkeiten aus Sicht der Beteiligten rund um die gemeinsamen Ideen zu einer „Modellregion nachhaltige Regionalentwicklung“ vorgestellt.

Ein erstes wichtiges Thema in diesem Kontext war die zukünftige Ausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und die Umsetzung in Niedersachsen in der kommenden Förderperiode. BVNON-Geschäftsführer Heuer ging auf die hohe Bedeutung einer sinnvollen Ausgestaltung ein, da die Landwirtschaft in dieser Region der bedeutendste Wirtschaftsfaktor sei. Vor diesem Hintergrund komme der Zusammenarbeit von Biosphärenreservat, Bauernverband und Kommune in den gemeinsamen Landschaftspflege- und Gebietsmanagementprojekten eine besondere Bedeutung bei, da diese das Bindeglied zwischen Naturschutz und Landwirtschaft bilden.

„Der BVNON unterstützt als Kooperationspartner insgesamt gleich vier dieser Projekte, davon drei im Landkreis Lüchow-Dannenberg: „KLuGe-Dumme“, das „kooperative Auenmanagement“ und die „Gebietsbetreuung Lucie und Drawehn mit Nemitzer Heide“, erläuterte Heuer. Otte-Kinast lobte diese Art der Zusammenarbeit und signalisierte Unterstützung in der entsprechenden Förderrichtlinie.
 
Die künftige Auszahlung der Fördermittel aus der ersten Säule über ökologischen Punkte, so genannte „Eco Schemes“, wurden ebenfalls thematisiert. Samtgemeindebürgermeister Jürgen Meyer verwies auf die konstruktive Hochwasserpartnerschaft zwischen dem Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue mit dem niederländischen Staatsbosbeheer. Auch durch diese Partnerschaft konnte in den letzten Jahren viel über die Weiterentwicklung bestehender Kooperationen gelernt werden. Meyer erläuterte die gute Funktionsweise von „Kooperativmodellen“ in den Niederlanden, und dass diese deshalb als gutes Vorbild für die zukünftige Strategie in Deutschland dienen können.
Der Bereich der Agrarumweltmaßnahmen kam anschließend zur Sprache. Maßnahmen wie der Erhalt von Altgrasstreifen, bei denen für mehrere Jahre ein Streifen Grünland nicht genutzt wird, um Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten zu schaffen, benötigten Förderung. „Um den Einsatz von Balkenmähern im Biosphärenreservat zu erreichen, brauchen wir eine Agrarumweltmaßnahmenkulisse“, stellte Heuer klar. Die Technik sei in der Anschaffung teurer und zudem die Flächenleistung geringer, verdeutlichte er. Die Ideen für die Weiterentwicklung der Agrarumweltmaßnahmen kommen dabei aus dem Gesprächskreis Landwirtschaft im Biosphärenreservat.

Das letzte Thema war die GAK-Richtlinie, „Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz“. Die GAK kann als Förderinstrument für eine auf künftige Anforderungen ausgerichtete, wettbewerbsfähige Land- und Forstwirtschaft, den Küstenschutz sowie vitale ländliche Räume ein Schlüssel auch mit Blick auf die Klimafolgenanpassung werden. Allerdings ist die Umsetzung dieser Förderrichtlinie länderseitig massiv ins Stocken geraten. Johannes Heuer unterstrich, wie wichtig dieses Förderinstrument und die Umsetzung von Maßnahmen sei, angesichts guter Ideen für Wasserrückhalt und Wasserspeicherung rund um das Jeetzelsystem in Lüchow-Dannenberg. „Gleichzeitig brauchen wir aber auch ein leistungsfähiges System um den Wasserabfluss sicher zu stellen“, betonte Heuer mit Blick auf das Jahr 2017.
Nach diesen vielen Punkten rund um Nachhaltigkeit und deren Förderung, folgte ein Besuch des „Kaufhauses des Wendlands“ in Dannenberg. Dieser künstlerische Zusammenschluss fand bei der Ministerin große Anerkennung. Anschließend besuchte die Ministerin die gegenüberliegende Markthalle, die von Landwirtin Johanna Pröhl geleitet wird. Otte-Kinast kam mit verschiedenen Ausstellern ins Gespräch und informierte sich über die Entstehung und Organisation dieser Plattform für den Verkauf regionaler Lebensmittel.
 
Als letzte Station folgte der Besuch des Hofes von Landwirt Christof Göbel in Schmessau. Dort wurde das bisherige LEADER-Kooperationsprojekt „Optimierung der Energie- und Wassereffizienz in der landwirtschaftlichen Bewässerung“ vorgestellt. Vater Dietmar Göbel demonstrierte der Ministerin ganz konkret das große Potential der Sektorensteuerung auf Beregnungsmaschinen. Allerdings wurden auch die hohen Anschaffungskosten dieser Technik thematisiert und die Notwendigkeit einer finanziellen Förderung. Otte-Kinast zeigte sich angetan von der einfachen Handhabung dieser Technik und versprach, die Argumente zu berücksichtigen. „Insbesondere die Nachrüstung auf bestehende Systeme hilft, das Wasser effizienter auszubringen und somit Ressourcen zu schonen sowie Energie einzusparen. Auch die verbesserte Steuerung der Beregnungssysteme mit der Nutzung durch die Möglichkeiten der Digitalisierung zeigen den großen Mehrwert solcher Systeme. Diese sind allerdings noch zu teuer und konnten sich dadurch noch nicht in der breiten Praxis etablieren“, betonte Johannes Heuer.
 
FOTOS: Annegret Meyer

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