Landeserntedankfest in Bardowick: Beteiligte nehmen Verbraucher in die Pflicht, Landesbischof fordert mehr Respekt für Landwirte

Beim öffentlichen Erntedankgottesdienst unter dem Motto „Unser täglich Brot...“ im Dom St. Peter und Paul zu Bardowick, rieten Vertreter von Politik und Kirchen zu einer größeren Wertschätzung unserer Nahrungsmittel. Landesbischof Ralf Meister bemängelte, dass zu viele Lebensmittel weggeworfen werden oder erst gar nicht in den Verbraucherkreislauf kommen. Mit eindringlichen Worten hinsichtlich des Umgangs mit unseren Lebensmitteln wandten sich die Hauptredner des gestrigen ersten, landesweiten Erntedankfestes an alle Verbraucher.

“Wir sind eine Gesellschaft der Völlerei“, beklagte Meister und forderte, dass sich jeder selbst im Verzicht üben müsse. In Bezug auf die öffentliche Wahrnehmung der Landwirte, sagte Meister, er sei stolz auf die Landwirtschaft in Niedersachsen. Landwirte verdienten nicht das Misstrauen und die Verdächtigungen mit denen sie sich konfrontiert sehen, sie verdienten Respekt. Denn schließlich leisteten sie einen großen Dienst für die Gesellschaft, stellte der Landesbischof fest.

Ministerpräsident Stephan Weil griff in seinem Grußwort vor den rund 500 Besuchern des Festgottesdienstes diese Gedanken auf und hob hervor, dass in Deutschlands Agrarland Nummer 1 viele Familien von der Produktion von Nahrungsmitteln leben und dass dies eine harte und verantwortungsvolle Arbeit sei. Er erinnerte daran, dass weltweit eine Milliarde Menschen Hunger leiden und es dementsprechend immer wichtig sei, Danke zu sagen. Ein gemeinsames Landeserntedankfest sei deshalb eine sehr gute Idee, lobte Weil.

Der Vorsitzende des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, Thorsten Riggert, sah den gesamten Berufsstand angesichts dieser Worte endlich wieder ins rechte Licht gerückt. “Die Arbeit von uns Bauern ist seit langem Mal wieder mit deutlichen Worten gelobt und anerkannt worden, ohne Schönmalerei zu betreiben. Ebenso wurden die anderen Mitglieder der Wertschöpfungskette deutlich angesprochen und in die Verantwortung genommen“, freute sich Riggert. Der Landwirt bekräftigte den Standpunkt der Hauptredner: „Die Gesellschaft lebt im Überfluss und der Verbraucher ist mitverantwortlich für die Art der Erzeugung durch sein Kaufverhalten“, mahnte Riggert. Mit Blick auf den Lebensmitteleinzelhandel, stellte er die kritische Frage, ob das Verramschen von Mitteln zum Leben der richtige Weg sei.

Bei einem anschließenden Rundgang verschaffte sich Ministerpräsident Weil einen Eindruck von den zahlreichen Aktionen und Initiativen rund um das Thema: „Unser täglich Brot …“. Die stellvertretende Geschäftsführerin des BVNON, Urte Rötz, erläuterte ihm das Projekt „Landwirtschaft entdecken und entwickeln“, das zum Ziel hat, Schüler der Klassenstufen 6 bis 12 mit moderner Landwirtschaft vertraut zu machen. Der Ministerpräsident zeigte sich beeindruckt: “Machen Sie weiter so, das hier ist wichtig!“

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