Kreisversammlung Uelzen 2018 – Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers für mehr Transparenz, Glaubwürdigkeit und Geschwindigkeit

Gleiches Thema, anderer Ort. Nach der BVNON-Kreisversammlung in Lüchow, stand auch die Kreisversammlung Uelzen unter der Fragestellung:Herausforderungen der Verbandsarbeit in Zeiten gesellschaftlicher Skepsis gegenüber der Landwirtschaft.“ Als Referent war erneut ein Vorstandsmitglied des Landvolks Niedersachsen geladen: Jörn Ehlers, Schweinehalter und Landvolk-Vizepräsident.

 

Ehlers begann seine Ausführungen mit einem Zitat aus einem landwirtschaftlichen Lehrbuch aus dem Jahr 1906, in dem es heißt: „Die Zeiten für die Landwirtschaft sind schwierig.“ Ein Satz der gut 100 Jahre später noch immer die gleiche Gültigkeit hat. Allerdings gibt es seit der Zeit erheblich weniger Landwirte und eine deutlich größere Skepsis der Öffentlichkeit gegenüber den noch Verbliebenen. Ehlers hatte für die gut 120 Zuhörer in Uelzen, unter ihnen zahlreiche Vertreter aus Politik, Verwaltung und Kirche, drei wesentliche Ideen im Gepäck, der Skepsis entgegenzutreten: Transparenz, Glaubwürdigkeit und Geschwindigkeit.

Ehlers sagte, man müsse „aus seiner Blase“ heraustreten und das Gespräch mit den Kritikern suchen. „Da muss man dann auch mal auf eine Versammlung des Nabu oder BUND gehen, und mit denen sprechen.“ Nur dann könne man verstehen, wie das Gegenüber denkt und sich selbst und das eigene Handeln verständlich machen.

Außerdem sprach er sich für mehr Mut zur Selbstkritik aus: „Menschen machen Fehler“, konstatierte Ehlers. Es sei dringend nötig, sich selbst Fehler einzugestehen und abzustellen, besonders bevor Kritiker uns diese vorwerfen.

 

BVNON-Vorsitzender Riggert hatte in diesem Zusammenhang zuvor mit Bildern von abgestorbenen Böschungsoberkanten entlang von Gräben, aber auch Seitenstreifen von Straßen eindringlich gefordert: „Solche Bilder dürfen wir nicht produzieren, das fliegt uns um die Ohren!“ Ein Beispiel dafür, brachte Ehlers aus seinem eigenen Landkreis Rotenburg-Wümme mit, wo der dortige Kreisverband der Grünen eine Umwelt-App entwickelt hat, über die jeder Bürger vermeintliche und reale Umweltsünden u.a. durch Landwirte, vollkommen anonym an die zuständigen Stellen melden kann. Nachfrage seitens der anwesenden Mitglieder, wie man mit solchen Dingen umgehe, beantwortete sowohl Ehlers als auch Riggert mit der Aussage, man müsse so viel Vertrauen und Glaubwürdigkeit wiederherstellen, dass solche Auswüchse aus deren eigenen Reihen, wie etwa in diesem Fall bei den Grünen, bekämpft werden. Und dies könne dadurch Gelingen, dass man der Landwirtschaft ein Gesicht gebe ergänzt durch Selbstkritik und das Abstellen von Fehlern.

 

Zu guter Letzt sprach sich Ehlers dafür aus, dass die Verbände schneller reagieren. Wenn eine neue Sau durchs Dorf getrieben werde, dauere es zu lange, wenn erst eine Sitzung einberufen werde, um zu besprechen, wie man damit umginge, war sich Ehlers sicher.

 

Sein Vortrag führte zu einer regen Diskussion um Glaubwürdigkeit, Gerechtigkeit, Emotionen und Fakten. BVNON-Vorsitzender Thorsten Riggert hatte in seinem Bericht Beispiele gebracht, die zu hitzigen, öffentlichen Debatten mit und um fragwürdige Fakten geführt hat. So griff er beispielsweise das neueste Thema „MRSA in Badegewässern“ auf, mit der Frage: „Wie konnten wir als Kinder das alles nur überleben?“ Die Dünge-Verordnung aber auch die nicht endende Diskussion um die erneute Zulassung von Glyphosat, nannte der Vorsitzende als Paradebeispiele dafür, dass die Debatten eben nicht nur Debatten seien, sondern auch reale Auswirkungen auf die Politik hätten.

Für die Lagerung von Silage und Mist forderte Riggert eine ordentliche Förderung, sonst sei das von den „von allen gewollten Familienbetrieben“ nicht zu finanzieren. Immerhin sei es dann dank der deutschen Bauvorschriften für Silageplatten möglich, dass man „darauf auch ein Atomkraftwerk bauen könne“, spitzte Riggert zu.

 

Mit Blick auf den Bau der A39 bemängelte er, dass es bis heute keinen richtigen Landwirtschaftsplan gebe und sprach sich für eine vernünftige Entschädigung der Landwirte aus. Weitere Themen die der Vorsitzende aufgriff, waren der Umgang mit Wasser bei der Beregnung, die Ausweisung von Naturschutzgebieten (NSG) und Landschaftsschutzgebieten (LSG) sowie die Afrikanische Schweinepest (ASP). Zu guter Letzt verwies Riggert auf die steigenden Ausbildungszahlen und den hohen Anteil von Auszubildenden, die keinen landwirtschaftlichen Hintergrund mehr haben, ebenso wie die Tatsache, dass Landwirte die drittbeliebteste Berufsgruppe seien. Das sei ein Widerspruch zu der vermeintlichen, öffentlichen Wahrnehmung. Deshalb forderte Riggert von der Politik und den Medien eine Rückkehr zur Facharbeit und sagte: „Bitte vertraut uns!“

 

Dass es doch noch Vertrauen gibt, auch in den Reihen der Politik, wurde in den Grußworten deutlich. Unter den zahlreichen Ehrengästen aus Politik, Verwaltung und Kirche, war auch Landrat Heiko Blume, der trotz seines Geburtstages die Kreisversammlung des BVNON besuchte. Er bedankte sich für die „Schlagkräftigkeit der Landwirtschaft“ und erinnerte daran, dass ein Jahr wie dieses, früher eine Hungersnot bedeutet hätte. Auch sei er dankbar dafür, dass die Landwirte in der Region einen großen Beitrag für die Umsatzsteigerung des Uelzener Hafens leisten würden. Er äußerte Verständnis dafür, dass die Landwirte sich zu Unrecht angegriffen fühlten. Anschließend ging der Landrat auf verschiedene regionalspezifische Themen ein, wie die Bauordnung, das RROP, das Thema Wasser und Beregnung, die Ausweisung von NSG und LSG, sowie den Ausbau des Glasfasernetztes. Hier leiste der Landkreis Uelzen Pionierarbeit, betonte Blume. Er dankte dem BVNON für die Unterstützung in dieser Angelegenheit.

 

Der Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Celle-Uelzen, Henning Otte (CDU), betonte in seinem Grußwort, dass die Landwirtschaft „in unserem Landkreis“ die wichtigste Branche sei. Anschließend berichtete er über die schwierigen Gespräche im Bundestag zur Bildung einer neuen Regierung. Er hob hervor, dass in dem neu ausgehandelten Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD der Einbruch in Ställe nun kein Kavaliersdelikt mehr sein, sondern ein Straftatbestand. Zum Thema Wolf fügte Otte hinzu, dass es wichtig sei, dass „wir die Dinge auch vor Ort selbst regeln können“.

 

Sein Parteikollege aus dem niedersächsischen Landtag, Jörg Hillmer, verwies in seinem Grußwort darauf, wie einfach Regierungsbildung sein könne, das werde am Beispiel Niedersachsen deutlich. Aus Sicht der Landwirtschaft sei 2017 politisch ein gutes Jahr gewesen. Zwar gebe es nach vier Jahren grüner Landwirtschaftspolitik einiges aufzuarbeiten, aber Barbara-Otte Kinast als Landwirtschaftsministerin sei eine gute Besetzung. Es sei nun wichtig, dass gesellschaftliche und politische „Fenster der Möglichkeiten“ offen zu halten, damit die Landwirte weiterhin wirtschaften können.

 

BVNON-Geschäftsführer Johannes Heuer berichtete über Neuigkeiten aus der Geschäftsstelle u.a. die Personalentwicklung und den Ausbau der Geschäftsstelle Lüneburg. Er rief die anwesenden Mitglieder auf: „Kommen Sie auf uns zu und sprechen Sie mit uns. Wir sind für Sie da, wir brauchen aber auch Ihre Unterstützung.“ Sein Stellvertreter Claas Steinhauer, ging auf den Bereich Öffentlichkeitsarbeit ein, wie z.B. das Projekt „Landwirtschaft entdecken und entwickeln“, die Zeitungsbeilage „Steckrübe“, den „Tag des offen Hofes“ aber auch das Thema Wolf im Landkreis Uelzen.

 

Bei den Vorstandswahlen wurde Henning Schulz aus Schwienau einstimmig wiedergewählt. Er nahm die Wahl an und ist für drei weitere Jahre im BVNON-Vorstand. In seinem Schlusswort sagte Schulz, „wir müssen uns verändern und anpassen.“

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