BVNON-Kreisversammlungen 2018 - Lüchow startet mit Ulrich Löhr als Gastredner

Den Auftakt der BVNON-Kreisversammlungen 2018, machte in diesem Jahr der Landkreis Lüchow-Dannenberg. Am 07.02. kamen rund 110 Mitglieder und Gäste in das Gasthaus Sültemeier nach Dünsche. Da der stellvertretende BVNON-Vorsitzende und Kreislandwirt Adolf Tebel, kurzfristig erkrankte, führte spontan sein Stellvertreter Henning Harms aus Damnatz, durch die Versammlung die insgesamt unter dem Eindruck der an diesem Tage abgeschlossenen Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene, den extremen Witterungsbedingungen des letzten und aktuellen Jahres, sowie der näher rückenden Afrikanischen Schweinepest standen.

Dies wurde auch in den Grußworten deutlich, die einige der zahlreichen, anwesenden Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Kirche, an die Landwirte richteten.

Unter diesen waren Lüchows Bürgermeister Manfred Liebhaber und Landrat Jürgen Schulz. Jürgen Schulz versicherte angesichts der Anwesenheit „der hohen Politik“ am selben Abend in Lüchow, wie leicht ihm die Entscheidung gefallen sei, zur Kreisversammlung des BVNON zu kommen. Schulz griff erneut das Thema Breitbandausbau auf und forderte zum „Mitmachen!“ auf. Mit Blick auf das Thema ASP sieht Schulz die größte Gefahr im Verschleppen von Lebensmitteln aus gefährdeten Gebieten und kündigte eine Katastrophenschutzübung des Landkreises für den Fall der Fälle an. Auch die neue Amtstierärztin Dr. Birgit Mennerich-Bunge, nahm sich des Themas ASP an. Sie erläuterte das Szenario, dass beim theoretischen Fund eines ersten positiv auf ASP getesteten Wildschweines in der Göhrde ablaufen würde. Dazu zählen u.a. die Einrichtung einer 30 km großen „gefährdeten Zone“ für mindestens sechs Monate, plus einer 15 km großen zusätzlichen Pufferzone, einschließlich einer Jagdruhe im gefährdeten Bezirk. Für die Schweinehalter könne es unter diesen Bedingungen bereits bedeuten, dass sie ihre Schweine nicht mehr loswerden, da sie keinen EU-Stempel mehr erhalten würden. Ein Horrorszenario, dass kein Tierhalter erleben möchte.

Verständnis für den großen Druck einer solcher Situation zeigte Propst Stephan Wichert-von Holten in seinem Grußwort. Er berichtete, wie er einst bei einer Keulung in einem Seuchenfall als Seelsorger vor Ort war und unterstrich, er wünsche von Herzen, dass das niemand erleben müsse. Wichert-Von Holten ergänzte, dass auch die Kirche mit gesellschaftlicher Skepsis zu kämpfen habe. Im Kern ginge es darum, den Mut in solchen Zeiten nicht zu verlieren und er hoffe, dass es immer Menschen geben werde, die der Landwirtschaft zur Verfügung stehen. Wichert-Von Holten sagte, er sei dankbar für die gute Zusammenarbeit zwischen Kirche und Landwirtschaft.

Anschließend gab Hennig Harms einen Überblick über das vergangene Jahr aus Sicht der Landwirtschaft in Lüchow-Dannenberg. Harms betonte mit Blick auf die heftigen Stürme des vergangen Herbstes, den Dauerregen im Sommer und Herbst, der vielerorts dafür sorgte, dass die Ernte ins Wasser fiel, „der Klimawandel ist Realität“ und hielt fest, man müsse damit umgehen. Anschließend warf er einen Blick auf die Erlössituation der Bauern im vergangen Jahr. Harms stellte fest, dass es für die Schweinehalter ein gutes Jahr war, um sich zu erholen, die Milchviehhalter aber nur eine kurze Verschnaufpause in Sachen niedriger Milchpreis gehabt hätten und dieser jetzt wieder unter Druck sei. Harms warf ferner einen Blick auf die frisch beendeten Verhandlungen zur Großen Koalition auf Bundesebene und stellte Eckpunkte daraus vor, wie z.B. die Aufnahme vom Stalleinbruch als Straftatbestand, der vierte Weg bei der Ferkelkastration oder auch das angestrebte Verbot von Glyphosat. Hier betonte Harms, dass Glyphosat zur Queckenbekämpfung und zum Erhalt der Minimalbodenbearbeitung weiterhin verfügbar bleiben müsse.

Überhaupt beschäftigte das Herbizid viele Redner an diesem Abend. BVNON–Geschäftsführer Johannes Heuer mahnte in seinem Bericht mit aktuellen Bildern an, dass Landwirte beim Ausbringen des Pflanzenschutzmittels mindestens 1 m Abstand zur Böschungsoberkante an Gräben und Gewässern behalten müssten und es ebenso wenig  ginge Seitenstreifen von Straßen vollständig tot zu spritzen. Ein solches Wirtschaften fördere nur die Vorbehalte in der Bevölkerung und „Wir müssten uns nicht wundern, wenn die nächste Düngeverordnung kommt oder sämtliche Pflanzenschutzmittel gestrichen werden.“

Mit Blick auf das zurückliegende Hochwasser im Sommer 2017, versprach Heuer, dass sich der BVNON weiterhin dafür einsetzen werde, dass der Landkreis Lüchow-Dannenberg mit seinen betroffenen Flächen doch noch antragsberechtigt für Entschädigungszahlungen werde.

Im Anschluss an die Berichte folgte der Gastvortrag des Abends von Ulrich Löhr, Vizepräsident Landvolk Niedersachsen zum Thema: „Herausforderungen der Verbandsarbeit in Zeiten gesellschaftlicher Skepsis gegenüber der Landwirtschaft“. Löhr der seit drei Jahren Vizepräsident des Landvolkes ist, ging in seinem Vortrag auf den vielen verschiedenen landwirtschaftlichen Themen ein, die derzeit sowohl in der Politik als auch den Medien - „Landwirtschaft ist ein mediales Ereignis“ - stark diskutiert werden. Dazu gehören u.a. der Antibiotikaeinsatz, der Bereich Tierwohl, aber auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, wie Glyphosat und Neonicotinoiden. Angesichts all dieser Dinge sprach Löhr von einer Spaltung der Gesellschaft in „Vertrauer“ und „Misstrauer“, dessen Spannung nur verschärft werde durch gegenseitige Schuldzuweisungen. Bio-Landwirtschaft und konventionelle Landwirtschaft seien kein Widerspruch für ihn, stattdessen gebe es viele Gemeinsamkeiten. Man hätte die selbe Ausbildung und bei beiden säßen „unsere Tiere und unsere Böden immer geistig mit am Tisch“.

Löhr riet seinen Berufskollegen dazu, durchaus mit „etwas mehr Emotionen zu kommunizieren“ und pro aktiv zu arbeiten. Auch gemeinsame Projekte wie zum Beispiel das F.R.A.N.Z.-Projekt bei dem Imker mit eingebunden seien, eigneten sich hervorragend dafür, mit anderen in den Dialog zu treten. Überhaupt empfehle sich der Schulterschluss mit anderen gesellschaftlichen Gruppen. Hier seien auch die Landfrauen bzw. die Landjugend in den Dörfern geeignet: Bei beiden habe die große Mehrheit der Mitglieder zwar einen offensichtlichen Bezug zum ländlichen Raum aber keinen expliziten landwirtschaftlichen Hintergrund mehr. Deshalb seien diese Organisation perfekte „Scharniere in die Gesellschaft“, wie Löhr sich ausdrückte. 

Ein echter Wert aus der Landwirtschaft seien im übrigen Landwirtskinder sagte der Vizepräsident nicht ohne Stolz. Diese seien in vielen Bereichen gesucht. Bauernkinder fragten nicht warum, sondern bis wann die Arbeit erledigt sein müsse. Mit einer solchen Einstellung seien sie gar Leistungsträger unserer Gesellschaft, wie Henning Harms in seinem Schlusswort am Ende einer gelungenen Versammlung hinzufügte.

Bei den Vorstandswahlen wurden Henning Harms aus Damnatz und Adolf Tebel in Abwesenheit einstimmig wiedergewählt. Beide nahmen die Wahl an und sind nun für drei weitere Jahre im BVNON-Vorstand.

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