Albert Schulte to Brinke bei Kreisversammlung Lüneburg

Voller Saal, viele Themen. Den Abschluss der diesjährigen Kreisversammlungen bildete die Kreisversammlung am 15.02. in Lüneburg. Gleichzeitig war es der Abschluss einer kleinen Serie: Denn bei drei Kreisversammlungen gab es ein Thema, das von insgesamt drei Präsidiumsmitgliedern des Landvolkes Niedersachsen jeweils als Hauptredner erörtert wurde. Nach Ulrich Löhr in Lüchow und Jörn Ehlers in Uelzen, referierte der neue Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke in Lüneburg zum Thema: „Herausforderungen der Verbandsarbeit in Zeiten gesellschaftlicher Skepsis gegenüber der Landwirtschaft“.

 

Gut 120 Gäste aus Politik und Wirtschaft warteten voller Spannung auf den Vortrag des Landvolk-Präsidenten im Rahmen seines ersten Besuches im Verbandsgebiet des BVNON. Zunächst mussten sich die Gäste und Mitglieder noch ein wenig gedulden. Denn es waren einige Gäste unter den die zuvor Grußworte an die Lüneburger Bauern richteten.

 

Monika Scherf ist die neue Leiterin des Amtes für regionale Landesentwicklung (ArL) und zeigte sich in ihrem Grußwort sehr erfreut darüber, dieses Amt inne zu haben. Sie verwies auf die zahlreichen Berührungspunkte zwischen dem ArL und der Landwirtschaft. „Die Attraktivität des ländlichen Raumes“, leitete sie ein, „Ohne Buern ward dat nix!“ Dieses Motto des BVNON sei genau richtig. Deshalb seien gute Standortbedingungen für die Existenzsicherung der Betriebe wichtig. Scherf erläuterte die Abteilungen ihres Hauses, die aus landwirtschaftlicher Sicht relevant sind. Dazu zählen, die Flurneuordnung, die Strukturförderung, die Verwaltung von Landesflächen sowie der Bereich Regionalentwicklung bzw. EU-Förderung. Hier sei es besonders wichtig alle Mittel bis 2020 auszuschöpfen. Scherf verstehe sich als Partner für die Region in der Region, sagte sie abschließend.

 

Aus den Reihen der Politik kamen ebenfalls Grußworte. Den Anfang machte der Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols von der CDU. Pols gab bekannt, dass er im neuen Bundestag in den Ausschuss für Verkehr wechselt und dies begrüße, da Niedersachsen ein Transitland sei. Er ging auf die mögliche neue Koalition zwischen CDU und SPD ein und betonte, dies sei zwar keine Liebheirat aber der Koalitionsvertrag sei durchaus landwirtschaftlich geprägt. Das 177-Seiten starke Dokument sei im Hinblick auf die Landwirtschaft aus Sicht des Deutschen Bauernverbandes in neun Punkten zufriedenstellend und nur in drei nicht, warb Pols.

 

Sein Parteikollege Uwe Dorendorf ist seit 2017 Mitglied im niedersächsischen Landtag. Der CDU-Abgeordnete sprach sich für eine sachliche Zusammenarbeit aus. Ideologie sei aus seiner Sicht fehl am Platze, schließlich sitzen wir alle in einem Boot, so Dorendorf. Dabei sei Transparenz sehr wichtig. Beim Thema Natura 2000 kündigte er eine 1:1-Umsetzung der EU-Richtlinien an. Es werde keinerlei zusätzliche Auflagen geben, versprach er.

 

Ebenfalls seit 2017 ist Detlev-Schulz Hendel für die Grünen Mitglied des niedersächsischen Landtages. Er überbrachte zu Beginn seiner Rede die Grüße des Bundestagsabgeordneten Miriam Staudte, die normalerweise bei der Kreisversammlung anwesend ist, aber terminlich an diesem Tag verhindert war. Hendel forderte die Einführung der Weideprämie und mehr Unterstützung der Schafhalter beim Bau wolfssicherer Zäune. Darüber hinaus sei der Ausbau der Bio-Landwirtschaft ein wichtiges Ziel, sogar in Russland gebe es mehr Bio-Landwirtschaft, hob Hendel hervor. Er beschrieb das Verhältnis zwischen den Grünen und den Landwirten als „lebhaft bis zum Teil angespannt“, fügte jedoch hinzu, er freue sich auf einen lebendigen Austausch und dankte für die Einladung.

 

Der stellvertretende BVNON-Vorsitzende Jens Wischmann reagierte auf Hendels Worte mit dem Hinweis, dass sich der Umfang der Bio-Landwirtschaft am Markt entscheide, das Bedauern über die Nichteinführung der Weideprämie würde er hingegen teilen. Auch eine lebhafte Debatte könne er versprechen, er hätte da schon etwas vorbereitet, versprach Wischmann.

 

In seinem Bericht ging der Kreisvorsitzende auf verschiedene Punkte ein, wie z.B. die EEG-Umlage, bei der er die Frage aufwarf, warum dabei Ausnahmen für die Industrie gebe. Auch auf den Bereich Biogas und Windkraft ging er ein und wies darauf hin, dass ein Ausbau der Windkraft nicht mehr möglich sei. Ausführlich Jens beleuchtete Wischmann die Debatte um das Herbizid Glyphosat. Er warnte davor, dass ohne das Herbizid kaum noch Verfahren wie die Mulchsaat möglich sei, auch könnten viele Zwischenfrüchte nicht mehr angebaut werden, warnte Wischmann. Alternative mechanische Bewirtschaftungsmethoden hätten ein höheren CO²-Ausstoß zur Folge, was den Klimazielen des Bundes entgegenstünde. Vehement forderte der stellvertretende BVNON-Vorsitzend eine Lösung bestehender Probleme, man müsse Dinge verbessern, statt zu verbieten. Dies sei nur auf sachlicher und fachlicher Basis möglich.

 

Dass Reden über Landwirtschaft in Zeiten wie diesen auch auf Bauernversammlungen heutzutage weniger auf fachliche Details abzielt, stattdessen grundsätzlicher geworden ist, wurde an der Rede des Landvolkpräsidenten Albert Schulte to Brinke deutlich. Der Landwirt aus dem Landkreis Osnabrück begann seinen Vortrag mit der Feststellung, dass die Komplexität der Landwirtschaft gegenüber der Öffentlichkeit kaum vermittelbar sei, besonders da NGO´s die Meinungsführerschaft übernommen haben. Die Diskussion sei emotional verständlich, schließlich gehe es um Mittel zum Leben, so der Milchviehhalter. Allerdings werden Fakten infrage gestellt und nicht nur die Allgemeinheit, auch die Politik glaube der Wissenschaft nicht mehr. Das allgemeine Misstrauen sei zum Teil auch darauf zurückzuführen, dass global agierende Unternehmen wie der Glyphosathersteller Monsanto mit gentechnisch veränderten Pflanzen ihr Geld verdienen, wie z.B. Round-up Ready-Mais, Soja, Raps oder Baumwolle. Dennoch stehen dem Fakten gegenüber, die für Glyphosat sprächen. Dies gelte jedoch nicht für den Einsatz bei Pflanzen, die geerntet werden.

 

Mit Blick auf den Bereich Tierhaltung, versichert Schulte to Brinke darauf, dass auch den Bauern „nur gesunde Tiere Spaß machen“. Dass es eine Halbierung des Antibiotikaeinsatzes gebe, sei ein Verdienst der Landwirte, warb er um Vertrauen. Dennoch müssen kranke Tiere behandelt werden und man müsse hinterfragen: „Dass die Sterblichkeit in alternativen Tierhaltungen doppelt so hoch ist, wie in konventionellen Ställen.“

 

Mit Blick auf die gesellschaftlich gewünschte Weidehaltung von Tieren sagte Schulte to Brinke, dass das Umweltrecht z.T. dem Tierwohl entgegenstünde. Organischer Dünger sei im Übrigen ein wertvoller Dünger ergänzte er. Zum Thema Nitrat versprach der Landvolk-Präsident: „Wir kümmern uns um die roten Stellen, mit der gebotenen Vehemenz.“ Grundsätzlich dürfe sich kein Landwirt falschen Illusionen hingeben. „Was wir draußen tun, hat Folgen für die Natur!“ Das wichtigste sei der handelnde Landwirt vor Ort: „Wir arbeiten draußen“, so Schulte to Brinke. Was dieser mache, sei bedeutsam für die Glaubwürdigkeit der Branche insgesamt. Nur mit Glaubwürdigkeit könne man die Diskussion führen. Er warb deshalb auch dafür, Kritiker auf die Betriebe einzuladen und für mehr Transparenz zu sorgen.

 

Schulte to Brinke hatte auch eine Botschaft an die Politik: „Veränderungen müssen Verbesserungen bedeuten, wir müssen als Partner auf Augenhöhe behandelt werden“, forderte der Präsident. Die Betriebe bräuchten zudem lange Übergangsfristen für einen Umbau, sonst können sie es nicht leisten. Und ohne Landwirte klappt der gesamte nachgelagerte Bereich nicht, erklärte er. „Landwirtschaft ist alles nichts, wenn es in der Kasse nicht stimmt.“ Man müsse den jungen Leuten eine Perspektive bieten, „dann haben wir eine positive Zukunft!“, schloss er seinen Vortrag.

 

Nach Albert Schulte to Brinke ergriff Andrea Schröder-Ehlers das Wort, die erst später zur Kreisversammlung hinzugestoßen war. Die Bundestagsabgeordnete der SPD sagte, es sei eine spannende Debatte, in die „wir uns manchmal mit unserem Halbwissen einmischen müssten“, so die Politikerin. Von enormer Bedeutung sei aus ihrer Sicht die digitale Entwicklung. Schröder-Ehlers sieht darin sogar eine Revolution, die viele der ökologischen Fragen rund um die Landwirtschaft vielleicht beantworten könne. Sie sei sich sicher, dass uns der Wandel in der Landwirtschaft noch ganz lange begleiten werde. ]

 

In seinem Schlusswort bestätigte Vorstandsmitglied Alfred Ritters aus Barförde diesen Eindruck. Ritters verwies auf die Firma EDEKA, die im Osten Deutschlands „und noch weiter weg“ in großem Stile landwirtschaftliche Flächen kaufen. Er warnte damit vor einer Zukunft, in der Unternehmen statt Bauern die Lebensmittel herstellten, wenn sich bestehende Trends so fortsetzen.

 

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